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Einsatzort Epizentrum: Für Einsatzkräfte geht es im Ernstfall um Minuten. Das Krefelder Erdbebenalarmsystem hilft dabei.

Bebeninformation nach wenigen Minuten

Die niederrheinische Bucht ist neben dem Oberrheintal die am stärksten durch Erdbeben gefährdete Region Deutschlands. Seit 2015 betreibt daher der Landeserdbebendienst Nordrhein-Westfalen ein automatisches Alarmsystem, das binnen Minuten Bebenmeldungen generiert und an die zuständigen Behörden versendet. Auf einer Vortragsveranstaltung wurde jetzt eine Zwischenbilanz gezogen.

Am 9. September 2011 wurden die Einwohner des niederrheinischen Goch dezent daran erinnert, dass sie in einem Erdbebengebiet leben. Kurz nach 21:00 Uhr wackelten in der 34.000-Einwohner-Gemeinde an der niederländischen Grenze die Wände. Grund war ein Erdbeben der Magnitude 4,3, das man wohl noch im 150 Kilometer entfernten Brüssel spüren konnte. Personen oder Sachschäden wurden keine berichtet, dennoch kann sich Klaus Lehmann, der Leiter des nordrhein-westfälischen Landeserdbebendienstes, gut an das Ereignis erinnern: "Aufgrund der zahlreichen E-Mails, SMS und Einträge in unserem Erdbebenmeldeformular im Internet brachen alle unsere Server zusammen, sodass eine Kommunikation nicht mehr möglich war." Der LED war damit auch für Katastrophenschutz-Behörden nicht mehr erreichbar.

In Krefeld zog man daraus die Lehre und baute ein vollautomatisches Erdbebenalarmsystem aus, das seine Warnungen möglichst noch vor dem Nutzeransturm absetzt. Seit 2015 arbeitet es im größten deutschen Bundesland und Klaus Lehmann zog jetzt auf einer Vortragsveranstaltung des Geologischen Dienstes NRW Zwischenbilanz. Innerhalb von maximal fünf Minuten soll das System eine erste Bebenmeldung inklusive der Zone, in der Schäden zu erwarten sind, an alle Polizei- und Zivilschutzbehörden versenden, damit diese sich vorbereiten können. Derzeit 14 Erdbebenstationen liefern die Daten für die vollautomatische Auswertung nach Krefeld. Demnächst sollen noch zwei Stationen hinzustoßen, eine in Xanten am Niederrhein und eine an der Urfttalsperre in der Eifel.

Die Messwerte der Seismometer laufen kontinuierlich in der LED-Zentrale ein und werden dort vom Computer analysiert. Der muss zunächst feststellen, ob die Wellen tatsächlich von einem Erdbeben in der niederrheinischen Bucht stammen. "Tatsächlich gibt es unterschiedliche Signale, die alle etwa ähnlich aussehen", so Lehmann. Sprengungen, Erschütterungen durch Bewegungen in den zahlreichen Kohlebergwerken, aber auch Wellen, die von weit entfernten Erdbeben stammen, schlagen sich in den Aufzeichnungen der Seismometer nieder und müssen erkannt werden. "Es gab tatsächlich einige Sprengungen, die  von unserem System als Erdbeben interpretiert worden sind", erklärt Lehmann,  "aber das lag daran, dass bei geringen Stärken unser System nicht mehr richtig unterscheiden kann." Mehr erfahren...

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Erdölförderung im Emsland

Erdölförderung im Emsland (Foto: Wintershall Holding GmbH)