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Die 13 Gründungsväter – eine „pluripotente Gruppe“.

Zur Bildung der Deutschen Geologischen Gesellschaft im Revolutionsjahr 1848

Heinz-Gerd Röhling1, Friedrich-Wilhelm Wellmer2 & Thomas Kaemmel

Kurzfassung: Im Dezember 1848, vor 170 Jahren, wurde in Berlin, das Mitte des 19. Jahrhunderts neben Freiberg das geowissenschaftliche Zentrum in den Ländern des Deutschen Bundes und darüber hinaus in Kontinentaleuropa war, die Deutsche Geologische Gesellschaft gegründet. Sie ist eine der beiden Wurzeln der heutigen Deutschen Geologischen Gesellschaft – Geologische Vereinigung e. V.“ (DGGV).

Geologische Gesellschaften waren im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts außerhalb Deutschlands bereits gegründet worden, so 1807 in England und 1830 in Frankreich. Die Gründung der DGG erfolgte im Revolutionsjahr 1848 als eine der Gründungen im Rahmen der sich generell im 19.Jahrhundert in Deutschland entwickelnden Idee, wissenschaftliche deutsche Gesellschaften als Institutionen der deutschen geistigen Einheit zu etablieren, als Vorwegnahme der politischen Einheit. Die DGG war eine der ab den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts in Deutschland gebildeten Disziplin-orientierten Gesellschaften. Die Ablösung von der bereits 1822 gegründeten, alle naturwissenschaftlichen Disziplinen umfassenden Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ) gelang nur langsam. Erst 1868 wurde die erste Mitgliederversammlung unabhängig von der der GDNÄ in Hildesheim durchgeführt. Gegen die anfangs bestehende norddeutsche (Berliner/preußische) Übermacht bei den Mitgliedern wurde von vornherein versucht, durch organisatorische Maßnahmen entgegenzuwirken, um zu einer wirklichen Deutschen Geologischen Gesellschaft zu werden: Möglichkeit der Briefwahl, Vorstand in Berlin nur für die laufenden Geschäfte zwischen den Hauptversammlungen,  Hauptversammlungen als die zentrale Veranstaltung mit einem gesonderten Vorstand. Bis zur Jahrhundertwende gelang es, den süddeutschen, österreichischen und sonstigen ausländischen Anteil erheblich zu erhöhen.

Jedoch gab es auch Gegenentwicklungen: die Gründungen des Oberrheinischen Geologischen Vereins 1871 und der Geologischen Vereinigung 1910. Nach dem Zweiten Weltkrieg bildete sich im Jahre 1954 – bedingt durch die deutsche Teilung – die Gesellschaft für Geologische Wissenschaften. Wahrscheinlich durch den Einfluss von fünf der dreizehn Gründerväter mit bergmännischem Hintergrund hatte die DGG von Anfang an eine starke angewandte Ausrichtung, die sich auch auf die Landwirtschaft bezog, vermutlich einer der Gründe, dass die Bodenkunde in Deutschland zum Arbeitsspektrum der Geologischen Dienste gehört, während sie in anderen Ländern bei der Landwirtschaft ressortiert.

Die 13 Gründerväter der Deutschen Geologischen Gesellschaft werden in kurzen Biografien vorgestellt. Bezug genommen wird dabei auf den beruflichen Werdegang, die wissenschaftlichen, aber auch wissenschaftsorganisatorischen Leistungen sowie deren Stellung in der damaligen Zeit.

Aus der Gruppe der fachlich sehr breit aufgestellten 13 Gründungsväter, die nicht mit den 49 Gründungsmitgliedern zu verwechseln sind, sind drei Persönlichkeiten den meisten bekannt. Dies sind Leopold von Buch (1774–1852), Kammerherr,Alexander von Humboldt (1769–1859), Wirklicher Geheimrat und Kammerherr, sowie Christian Samuel Weiss (1780–1856), Geheimer Bergrat und Professor für Mineralogie. Von Humboldt war bereits in der Mitte seines Lebens so bekannt, dass ihm in der 1815 (Band 4) erschienenen Erstausgabe des Brockhausschen Conversationslexikons sieben Seiten gewidmet wurden. Insgesamt fünf der dreizehn Gründungsmitglieder waren bedeutende Berg- oder Hüttenleute (siehe Kap. 5) bzw. kamen vom Bergbau zur Geologie. Dies sind der Oberberghauptmann Ernst August Graf von Beust (1783–1859), Rudolph von Carnall (1804–1874), Geheimer Bergrat und später Berghauptmann in Breslau, der Geheime Oberbergrat Carl Johann Bernhard Karsten, Berg- und Hüttenmann (1782–1853), sowie die bereits genannten von Buch und von Humboldt.

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Erdölförderung im Emsland (Foto: Wintershall Holding GmbH)