Inhalt

Daybreak at Gale Crater Am Computer erzeugtes Bild des Mars zwischen Dunkelheit und Tageslicht (Quelle: NASA/JPL-Caltech)

Natürliche „Batterien“ machten Mars organisch

Hinweise auf organisches Material auf dem Mars sorgen immer wieder für Euphorie bei Forschern wie wissenschaftsbegeisterten Laien. Vielleicht, so die Hoffnung, könnten sich mit den Spuren auch die Indizien für Leben auf dem Mars verdichten. Ein internationales Team von Forschenden unter der Führung von Andrew Steele von der Carnegie Institution of Washington in Washington D.C., an dem Liane G. Benning vom Deutschen Geoforschungszentrums GFZ in Potsdam, sowie Richard Wirth und Anja Schreiber aus Bennings Gruppe beteiligt waren, hat untersucht, woher der organische Kohlenstoff in drei Marsmeteoriten stammt. Die Forschenden vermuten, dass der Kohlenstoff durch elektrochemische Reaktionen zwischen vulkanischen Mineralien und salzhaltigen Flüssigkeiten entstanden ist. Das berichten sie in einer Studie im Fachjournal Science Advances. Sie schreiben von einem möglichen „Paradigmenwechsel“ bei der Suche nach Leben auf anderen Planeten und der Erklärung von Evolutionsprozessen auf der Erde.

Liane G. Benning: „Wir haben mehr als fünf Jahre an diesen einmaligen und wertvollen Proben von Marsmeteoriten geforscht. Nur mit den hochauflösenden Elektronenmikroskopen hier am Deutschen Geoforschungszentrum und deren analytischer Leistungsfähigkeit war diese Studie möglich.

Organische Kohlenstoffverbindungen umfassen bis auf einige wenige Ausnahmen die Verbindungen von Kohlenstoff mit sich selbst oder anderen Elementen wie Wasserstoff. Sie gelten als Grundbausteine für die Prozesse des Lebens wie wir es kennen und können durch biologische Prozesse, aber auch durch unbelebte chemische Vorgänge entstehen. Wie die in den drei Marsmeteoriten namens Tissint, Nakhla und NWA 1950 gefundenen Anteile an organischen Kohlenstoffen entstanden sind, versuchte das Team mit modernen elektronenmikroskopischen, spektroskopischen, spektrometrischen und Röntgen-Untersuchungen zu enthüllen. Ihre Hypothese: Ähnlich wie bei einer Batterie entstand auf dem Mars beim Aufeinandertreffen von metallhaltigem Material aus mineralischem Vulkangestein mit einer Salzlösung eine elektrische Spannung. Die Energie aus diesem 'galvanischen' Prozess genügte, um in einer mehrstufigen chemischen Reaktion die vorgefundenen organischen Kohlenstoffverbindungen entstehen zu lassen.

Die Ergebnisse gründen auf Forschungsarbeiten aus dem Jahr 2012, als Steele und sein Team belegen konnten, dass der organische Kohlenstoff in den Meteoriten tatsächlich vom Mars stammt und nicht aus einer Verunreinigung auf der Erde. Sie fanden damals auch heraus, dass der Kohlenstoff nicht biologischen Ursprungs ist. Die nun veröffentlichte Studie zielte darauf ab, festzustellen, woher der organische Kohlenstoff stattdessen kommt. Mehr erfahren...

Kontextspalte

Erdölförderung im Emsland

Erdölförderung im Emsland (Foto: Wintershall Holding GmbH)