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Ausbringung einer ozeanographischen Verankerung in der Irmingersee mit dem deutschen Forschungsschiff MARIA S. MERIAN im Jahr 2016. Die neue Studie beruht auf Daten, die eine Vielzahl solcher permanenten Messstationen im Rahmen des OSNAP-Netzes erhoben haben. Foto: Arne Bendinger/GEOMAR

Neue Erkenntnisse zu Tiefenwasserbildung und Meeresströmungen im Atlantik

Langzeitbeobachtungen widersprechen bisherigen Auffassungen

Durham, Kiel. Für die globale Ozeanzirkulation spielt der subpolare Nordatlantik eine entscheidende Rolle. Durch oberflächennahe Abkühlung wird warmes Wasser in kaltes und schweres Tiefenwasser umgewandelt, das in der Tiefe äquatorwärts strömt. Gestützt auf Modelldaten ging man bisher davon aus, dass der Hauptanteil des Tiefenwassers in der Labradorsee gebildet wird. Langzeitbeobachtungen eines internationalen Konsortiums mit Beteiligung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel zeigen nun erstmals, dass der wesentliche Beitrag der Umwälzzirkulation im östlichen Nordatlantik stattfindet. Die Ergebnisse wurden jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Science veröffentlicht.

Meeresströmungen werden hauptsächlich durch den Wind und durch Unterschiede in der Dichte des Meerwassers hervorgerufen. Für die Strömungen im Nordatlantik sind beide Prozesse von großer Bedeutung. Über den Golfstrom und seine Ausläufer wird warmes und salzreiches Wasser weit nach Norden transportiert. Dabei wird das Wasser abgekühlt, was zu einem Anstieg der Dichte des Meerwassers führt und daher ein Absinken bewirkt. Das dichte Tiefenwasser strömt dann wieder Richtung Äquator. Dieses Strömungssystem wird auch als Atlantische Umwälzzirkulation bezeichnet. Es ist für das Klima, insbesondere für die vergleichsweise milden Winter in Nordeuropa, von großer Bedeutung. In bestimmten Regionen, allen voran der Labradorsee, kann es zum Absinken des Oberflächenwassers bis in die Tiefsee kommen. Die Zufuhr von Süßwasser, etwa durch Abschmelzen von Landeismassen als Folge der globale Erderwärmung, reduziert die Dichte des Oberflächenwassers. Ein Versiegen der Tiefenwasserbildung und damit der Umwälzzirkulation hätte direkte Auswirkungen auf das Klima in Europa. Nicht zuletzt deshalb ist die Atlantische Umwälzzirkulation Gegenstand intensiver Forschung. Mehr erfahren...

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Erdölförderung im Emsland

Erdölförderung im Emsland (Foto: Wintershall Holding GmbH)