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Das Dibble-Eisschelf gehört zu den Teilen von Wilkesland, in denen die Ostantarktis Eis verliert. Bild: NASA

Ostantarktis schläft doch nicht

Die Eiskappen der Erde sind seit Jahrzehnten in Bewegung, aus Grönland, von der Antarktischen Halbinsel und der Westantarktis werden steigende Eismassenverluste gemeldet. Einzige Ausnahme war bislang die gigantische Ostantarktis, der von einzelnen Studien sogar ein kleiner Gletschergewinn attestiert wurde. Eine umfassende Auswertung von Beobachtungs- und Modelldaten aus den vergangenen 40 Jahren, die jetzt in den Abhandlungen der US-Akademie der Wissenschaften erschien, widerspricht. Danach schmilzt auch die Ostantarktis seit den 80er Jahren.

Die Ostantarktis ist offenbar ein nur scheinbar schlafender Riese. Eine neue Auswertung von Beobachtungs- und Simulationsdaten über Eisabflüsse der vergangenen vier Jahrzehnte hat ergeben, dass rund 4,5 der rund 14 Millimeter, die der eisbedeckte Südkontinent zum globalen Meeresspiegelanstieg beitrug, auf das Konto des ostantarktischen Schildes gehen. "Die traditionelle Annahme, dass sich diese Eismasse kaum verändert, scheint Wunschdenken gewesen zu sein", schlußfolgert Studienleiter Eric Rignot gegenüber der "Washington Post".

Tatsächlich, so schreiben der Professor für Geowissenschaften an der Universität von Kalifornien in Irvine und seine Kollegen, habe vor allem Wilkesland in der Ostantarktis während der gesamten vier Jahrzehnte  an Eismasse verloren, der Verlust sei während der 80er Jahre sogar noch höher gewesen als in jüngster Zeit. Wilkesland ist ein rund 2,6 Millionen Quadratmeter großer Sektor der Antarktis, der zum Indischen Ozean hin liegt und von Australien beansprucht wird.

Ausführliche Diskussion über Daten wird erwartet

Der Befund kontrastiert stark mit einer Eismassebilanz, die ein internationales Team im vergangenen Jahr in "Nature" vorlegte. Dort wurde der Ostantarktis für die vergangenen 25 Jahre noch ein Nettogewinn an Eis von fünf Milliarden Tonnen pro Jahr attestiert, Rignot und sein Team kommen dagegen für den selben Zeitraum auf einen Schwund von 57 Milliarden Tonnen pro Jahr. Der Unterschied könnte bedeuten, dass der Klimawandel die Ostantarktis inzwischen doch erreicht hat. "Wenn das stimmt, dann ändert sich bei der Bestimmung des Meeresspiegelanstiegs in diesem Jahrhundert alles", äußert sich der Princeton-Klimatologe Michael Oppenheimer gegenüber "Science".Es ist daher kein Wunder, dass solche Diskrepanzen für heftige Diskussionen in der Fachwelt sorgen. " Mehr erfahren...

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Erdölförderung im Emsland

Erdölförderung im Emsland (Foto: Wintershall Holding GmbH)