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Als ein Strahl aus geschmolzenem Meteoritengestein die Erde traf

Forschungsteam unter Beteiligung der Freien Universität Berlin findet Spuren eines früheren Meteoriteneinschlags in der Antarktis / Neubewertung der Bedrohung durch Asteroiden

Eine internationale Forschungsgruppe hat herausgefunden, dass ein großer Meteorit vor etwa 430.000 Jahren das antarktische Eisschild traf. Die Forscherinnen und Forscher, darunter auch der Geowissenschaftler Prof. Dr. Lutz Hecht von der Freien Universität Berlin und vom Naturkundemuseum Berlin, untersuchten außerirdische Partikel, sogenannte Kondensationskugeln, die auf dem Gipfel des Walnumfjellet (WN) im ostantarktischen Sør Rondane-Gebirge geborgen wurden. Die ungewöhnlichen Funde deuten darauf hin, dass kein großer Gesteinsblock die Erdoberfläche erreichte, sondern ein Strahl aus geschmolzenem und verdampftem meteoritischem Material. Die gefundenen Partikel gehörten zu einem rund 100 Meter großen Asteroiden, der mit großer Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre eindrang und bereits vor dem Erreichen der Erdoberfläche explodierte. Veröffentlicht wurden die Forschungsergebnisse Ende März 2021 in der weltweit renommierten Fachzeitschrift Science Advance.

Die Ergebnisse der Forschungsgruppe zeigen auf, wie zerstörerisch ein Meteorit auch von vermeintlich kleiner oder mittlerer Größe sein kann. Ähnliche Gesteinskörper aus dem All könnten bei einer Explosion oder einem Aufprall auf der Erde Gebiete von mehreren Hundert Quadratkilometern verwüsten, betont Lutz Hecht. Die Schäden würden jene des berühmten „Tunguska-Ereignisses“ bei Weitem übertreffen – über der sibirischen Region Tunguska explodierte im Jahr 1908 höchstwahrscheinlich ein kleiner Meteorit; Druckwellen entwurzelten damals mehr als 60 Millionen Bäume. Der Meteoriteneinschlag in der Antarktis vor 430.000 Jahren wird von den an der Forschungsarbeit beteiligten Expertinnen und Experten als „intermediär“ bezeichnet. Das heißt, dass der Meteorit nicht nur in der Atmosphäre explodiert und verglüht ist („Airburst“), sondern als Materialstrahl und in Form von Kondensationskügelchen auf die Erde niederging. Dabei entstand allerdings kein Krater wie bei einem Aufprall größerer Brocken („Impact Cratering Event“). Einige dieser kosmischen Kügelchen konnten die Forscherinnen und Forscher genauer analysieren. Die außerirdische Herkunft ist anhand der chemischen Zusammensetzung belegbar, erklärt der Impaktpetrologie Lutz Hecht, dessen Team die Materialproben mit elektronenoptischen Methoden untersucht hat. Die Forschungserkenntnisse machen deutlich, dass die Bedrohung der Erde durch mittelgroße Asteroiden neu bewertet und ernst genommen werden muss. Mehr erfahren...

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