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Weißsaum-Soldatenfisch im Roten Meer. (Foto: Thomas Glatzel / Universität Oldenburg)

Die Hälfte der Korallenriffe ist schon jetzt verloren

AWI-Experte zur Bedeutung der marinen Biodiversität im IPBES-Bericht

Die Ozeane haben für den Menschen eine ähnliche Bedeutung wie Landökosysteme. Weil Veränderungen unter Wasser viel schlechter sichtbar sind als an Land, war es um so wichtiger, im Sachstandsbericht des IPBES die Meere gleichermaßen zu berücksichtigen. Ein Kommentar von Julian Gutt, einem der Leitautoren des Berichts und Meeresbiologe am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). 

Die Ozeane bedecken 71 Prozent der Erdoberfläche; ihre Ökosysteme sind ungefähr ebenso vielfältig an Lebensformen wie die an Land und genauso wichtig für viele Menschen. Gerade weil ich selber wissenschaftlich mit bildgebenden Methoden, Unterwasserfotografie und -video arbeite, bin ich immer wieder von der Formenvielfalt in den Meeren begeistert. Der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) hat sich in seinem ersten Globalen Sachstandsbericht der Fragen angenommen, wie der Zustand der Lebensvielfalt auf der Erde ist und wie wir Menschen damit umgehen. Schließlich hängen wir alle von den Leistungen der Pflanzen und Tieren ab – sei es für Nahrung, Rohstoffe, Klimaschutz oder Medizin – und wir brauchen Mikroorganismen für das Nährstoffrecycling und die Gesundheit. Den Ozeanen kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Eine Milliarde Menschen lebt überwiegend von Fischen und anderen Meeresfrüchten, der Ozean deckt über 20 Prozent unseres globalen Eiweißbedarfes. Die Hälfte des Sauerstoffs, den wir atmen, wird ständig von Algen in den Meeren produziert.

Wir stecken damit also in einer Art Zwickmühle. Wir müssen in natürliche Ökosysteme für unser Überleben eingreifen, diese Nutzung müssen wir aber so nachhaltig gestalten, dass auch für die nächsten Generationen eine Existenz in einer intakten Umwelt garantiert ist. Der neue Bericht des Weltbiodiversitätsrats zeigt, dass uns das derzeit nicht gelingt und wir schleunigst umsteuern müssen, um noch massivere Schäden zu vermeiden. Mehr erfahren...

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Erdölförderung im Emsland

Erdölförderung im Emsland (Foto: Wintershall Holding GmbH)