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Blick auf das Besucherzentrum von Mont Terri an einem späten Februar-Nachmittag 2020. Bild: Swisstopo

Endlagerforschung im Ton

Der stark strahlende und Hitze entwickelnde Müll ist wohl die drückendste Last der friedlichen Kernenergienutzung. Rund 27.000 Kubikmeter, mehr als 10.000 Tonnen, werden davon in der Bundesrepublik zu lagern sein, wenn zur Jahrhundertmitte dieses Kapitel der Energieerzeugung geschlossen wird. Für die Endlagerbergwerke in geeigneten Gesteinsformationen sind umfangreiche Forschungsarbeiten nötig. Einer der Standorte, an denen diese laufen, ist das Felslabor Mont Terri im Schweizer Jura. In diesem Jahr wurde seine Kapazität drastisch erweitert.

Die Autobahn A16 verbindet das Schweizer Mittelland mit dem Pariser Becken und durchtunnelt dabei den gebirgigen Teil des Schweizer Jura von Südost nach Nordwest. Nur bei dem Städtchen St.-Ursanne kommt die Autobahn für vielleicht 500 Meter ans Tageslicht, weil dort ein tief eingeschnittenes Seitental des Doubs den geraden Weg der Schnellstraße durchbricht. Hier liegt der Zugang zum Felslabor Mont-Terri des Schweizer Geologischen Dienstes Swisstopo, das von der Rettungsgalerie des Autobahntunnels tief in das Tongestein des Faltenjura führt. Wissenschaftler aus neun Nationen erforschen hier seit Anfang der 90er Jahre, ob sich der Opalinuston, aus dem der Mont Terri wie der gesamte Jura zum großen Teil besteht, als Endlager für radioaktiven Müll eignet.

 

Opalinuston ist besonders wasserdicht und bindet viele strahlende Nuklide, deshalb gehört er europaweit zu den drei Gesteinsarten, in denen man Endlager für den strahlenden Müll einrichten könnte. Frankreich und Belgien setzen auf das Tongestein, die Schweiz schwenkte Anfang des Jahrhunderts von ihrem damaligen Favoriten Granit um. In Deutschland gehört der Opalinuston nach dem Neustart der Endlagersuche ebenfalls in die Palette der potentiellen Wirtsgesteine. Der hochaktive, also starke Strahlung und Hitze entwickelnde Abfall ist die wohl drückendste Last aus der friedlichen Nutzung der Kernenergie. Darin enthalten sind Isotope, die Hunderttausende von Jahren radioaktiv und entsprechend gefährlich bleiben. In Deutschland werden 10.500 Tonnen anfallen, auch wenn 2022 der letzte der 19 westdeutschen und fünf ostdeutschen Leistungsreaktoren stillgelegt wird.

Opalinuston ist eines von drei geeigneten Wirtsgesteinen

Zusammen mit einer relativ geringen Menge von mittelaktivem Müll, der ebenfalls Hitze entwickelt, sollen diese 10.500 Tonnen in knapp 2000 Behälter verpackt und dann in einem sogenannten geologischen Tiefenlager deponiert werden, bis sie keine Gefahr mehr darstellen. Das kann viele Hunderttausend Jahre dauern, daher soll das Endlager eine Langzeitsicherheit für eine Million Jahre gewährleisten. Menschliche Technik kann noch nicht einmal annähernd eine solche Zeitspanne überdauern, also muss das Gestein die Sicherheit liefern. Der Opalinuston hat rund 175 Millionen Jahre relativ unbeschadet überdauert. Er stammt aus dem Jura, als auf der Erdoberfläche die Dinosaurier die größten Landlebewesen der Erdgeschichte hervorbrachten. Damals war es Boden eines flachen Randmeeres, auf dem sich mächtige Sedimente ablagerten. Heute sind die Tonschichten vielerorts in Mitteleuropa anzutreffen, in Nordfrankreich, in Belgien, in Nord- und auch in Süddeutschland und eben in der Nordschweiz, wo er sich zum Teil durch die Bildung der Alpen aufgefaltet hat. Der Mont Terri etwa, in dem sich das Felslabor befindet, ist 800 Meter hoch.

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