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Das Radarsystem, montiert auf einem Schlitten mit Luftpolstern, wird von einem Pistenbully gezogen. Der Generator für die Stromversorgung ist auf dem ersten Schlitten geladen. (Foto: University of Copenhagen, David Lilien)

Fundort für den ältesten Eiskern der Antarktis bestimmt – Bohrung kann beginnen

Neue hochauflösende Radardaten aus der Ostantarktis zeigen: Das 1,5 Millionen Jahre alte Eis liegt in einer Tiefe von etwa 2550 Metern des Eispanzers

Ein internationales Wissenschaftlerteam hat in dieser Woche die finalen Koordinaten für die Bohrung nach dem ältesten Eis der Antarktis bestimmt und begonnen, das Feldlager auf dem ostantarktischen Hochplateau zu errichten. Bei der Entscheidung, wo genau der Bohrer angesetzt werden soll, vertrauten die Forschenden auf hochauflösende Messdaten eines neuentwickelten Eisradars, welches sie  Anfang Dezember dieses Jahres erstmals im Zielgebiet „Little Dome C“ eingesetzt hatten. In der Region rund 40 Kilometer westlich der französisch-italienischen Forschungsstation „Dome Concordia“ ist der ostantarktische Eispanzer etwa 2800 Meter dick. Das bis zu 1,5 Millionen Jahre alte Eis vermuten die Wissenschaftler in einer Tiefe von 2550 Metern. Ziel des europäischen Forschungsprojektes „Beyond EPICA“ ist es, einen Eisbohrkern zu gewinnen, der es erlaubt, die Klimageschichte der zurückliegenden 1,5 Millionen Jahre lückenlos zu rekonstruieren. Bisher waren nur 800.000 Jahre erschlossen. Die derzeit an der Bohrstelle durchgeführten Arbeiten dienen zunächst nur der Vorbereitung. Die eigentliche Tiefbohrung soll im antarktischen Sommer 2020/21 beginnen. 

Messfahrten mit einem neuentwickelten Eisradar der US-amerikanischen Universität Alabama haben am Anfang dieses Monats die Suche nach dem ältesten Eis der Antarktis einen entscheidenden Schritt vorangebracht. „Wir konnten in einer deutlich höheren Auflösung als jemals zuvor in dieser Tiefe in den Ostantarktischen Eisschild schauen“, sagt Prof. Olaf Eisen, Glaziologe am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven (AWI). 

Er und AWI-Kollege Prof. Frank Wilhelms gehören zu den führenden Wissenschaftlern im EU-Klimaforschungsprojekt „Beyond EPICA“, in welchem sich Forschende von 16 Institutionen aus zehn europäischen Ländern das Ziel gesetzt haben, einen Eisbohrkern zu gewinnen, dessen untere Eisschichten im Idealfall bis zu 1,5 Millionen Jahre alt sind. Dieser würde es den Forschenden erlauben, die Klimageschichte für den gleichen Zeitraum zu rekonstruieren – das heißt für die Entwicklungsphase der Menschen, seitdem sie Feuer nutzen. In dem Eis sind nämlich Luftbläschen aus jenem Jahrzehnt eingeschlossen als sich der damals gefallene Schnee zu Eis verdichtete.

 „Wir haben die große Hoffnung, dass uns dieser Eisbohrkern die einmalige Gelegenheit bietet, umfassende Informationen zum globalen Klima und zur Treibhausgaskonzentration während des sogenannten mittleren Pleistozän-Überganges vor 900 000 bis 1,2 Millionen Jahren zu sammeln“ sagt Projektkoordinator Carlo Barbante vom italienischen Polarforschungsinstitut ISP-CNR. Damals verlängerte sich der Zyklus, in dem Kalt- und Warmzeiten aufeinanderfolgten, von 40 000 auf 100 000 Jahre. Die Gründe dafür sind jedoch bis heute unbekannt. Mehr erfahren...

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