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Einhornhöhle - Geotop des Monats Juni 2019 https://www.dggv.de/fachsektionen-ak/fachsektion-geotope-und-geoparks/geotop-des-monats/detail/geotop/einhornhoehle-scharzfeld.html

Neandertaler im Harz verzierte Knochen bereits vor mehr als 50.000 Jahren

Fund aus der Einhornhöhle in Niedersachsen wirft neues Licht auf die kognitiven Fähigkeiten unseres letzten Vorfahren / Forschungsprojekt mit Beteiligung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Freien Universität Berlin

Funde eines Forschungsteams in einer Höhle in Niedersachsen legen nahe, dass es sich beim Neandertaler nicht um einen primitiven Vormenschen handelt, wie dies seit der Entdeckung erster Fossilreste im 19. Jahrhundert allgemein vermutet wird. Das Team des Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege veröffentlichte in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Unicornu fossile e. V. (Dr. Ralf Nielbock), der Freien Universität Berlin und weiteren Institutionen einen Artikel in der Fachzeitschrift „Nature Ecology and Evolution“ über einen neuen Fund aus der Einhornhöhle im Harz. Diese darin dokumentierte Entdeckung liefert entscheidende Hinweise auf die geistigen Fähigkeiten des genetisch nächsten Verwandten des modernen Menschen, des Homo sapiens. Die Kompetenz des Neandertalers zur Herstellung effektiver Werkzeuge und Waffen ist zwar lange nachgewiesen, aber konnte er auch Verzierungen, Schmuck oder gar Kunst anfertigen? Dieser Frage konnte das Forschungsteam unter Leitung von Prof. Dr. Thomas Terberger vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege auf den Grund gehen.

Im Rahmen des Projekts, das seit 2019 durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur geförderte wurde, gelang es erstmals, im verstürzten Eingangsbereich der Einhornhöhle gut erhaltene Kulturschichten aus der Zeit des Neandertalers zu erschließen. Unter den erhaltenen Jagdbeuteresten stellte sich ein unscheinbarer Fußknochen als Sensation heraus.

Nach der Entfernung der anhaftenden Sedimente zeigte der Knochen ein winkelartiges Muster aus sechs Kerben. Grabungsleiter Dr. Dirk Leder erkannte rasch, dass es sich nicht um Schlachtspuren, sondern eindeutig um eine Verzierung handeln muss. Zusammen mit Dr. Raphael Herrmann von der Universität Göttingen führte er Experimente mit Fußknochen von Rindern durch. Sie zeigen, dass der Knochen wohl zunächst gekocht werden musste, um das Muster anschließend mit Steingeräten in etwa 1,5 Stunden in die aufgeweichte Knochenoberfläche zu schnitzen.

Mit Hilfe von Dr. Matthias Hüls vom Leibniz-Labor der Universität Kiel konnte der verzierte Knochen mit der Radiokarbonmethode auf ein Alter von mehr als 51.000 Jahren datiert werden. Damit ist es erstmals gelungen, ein vom Neandertaler verziertes Objekt mit dieser Methode verlässlich zu datieren. Bislang waren einige Schmuckobjekte aus der Zeit der letzten Neandertaler in Frankreich bekannt. Diese etwa 40.000 Jahre alten Funde werden jedoch von vielen Forschenden als Nachahmungen angesehen, denn zu dieser Zeit hatte sich bereits der moderne Mensch in Teilen Europas ausgebreitet. Aus etwa zeitgleichen Höhlenfundstellen des modernen Menschen auf der Schwäbischen Alb in Baden-Württemberg sind Schmuckobjekte und kleine Elfenbeinskulpturen überliefert. Mehr erfahren...

 

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