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Die Nordatlantische Umwälzströmung treibt die globale Ozeanzirkulation und prägt das Klima in Europa. Doch sie könnte labiler sein als gedacht. © aristotoo/ iStock Quelle: Scinexx

Nordatlantikstrom nah am Kollaps?

Für unser Klima wichtige Umwälzströmung zeigt Vorzeichen des Umkippens

Bedenkliche Vorzeichen: Die Nordatlantische Umwälzströmung könnte kurz vor einem Kipppunkt stehen – und damit instabiler sein als gedacht, warnen Klimaforscher. Denn der Motor der Meeresströmungen zeigt schon erste Vorzeichen eines Umkippens in einen Schwächezustand, wie eine Studie im Fachmagazin „Nature Climate Change“ aufzeigt. Die Folgen eines solchen Kollapses der Umwälzpumpe wären für das Erdklima und vor allem für Europa erheblich.

Die Atlantische Meridionale Umwälzströmung (AMOC) ist ein Motor der Ozeanzirkulation – und ein entscheidender Akteur im Klimasystem. Das Absinken großer Wassermassen vor Grönland treibt den Golfstrom an und sorgt für Europas mildes Klima. Doch die Umwälzpumpe schwächelt. Sie ist momentan so schwach wie seit tausend Jahren nicht. Modelle deuten zudem daraufhin, dass die kombinierte Wirkung von Erwärmung, Meereisrückgang und verstärktem Schmelzwassereinstrom die AMOC zu einem Kipppunkt treiben könnte.

Normale Schwankung oder sich anbahnendes Kippen?

„Aus Computersimulationen und paläoklimatischen Daten wissen wir, dass die Umwälzströmung zwei verschiedene Modi einnehmen kann – den zurzeit noch herrschenden starken Modus und einen zweiten, substantiell schwächeren“, erklärt Niklas Boers vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und der Exeter University. „Diese Bi-Stabilität deutet darauf hin, dass abrupte Wechsel zwischen diesen beiden Strömungsarten prinzipiell möglich sind.“

Damit gehört die Nordatlantische Umwälzströmung zu den Kippelementen im Klimasystem. Wechselt sie ihren Modus, könnte dies drastische und möglicherweise irreversible Folgen für das Weltklima haben. Europa wäre in besonderem Maße betroffen, weil dann die Fernheizung unseres Kontinents wegfallen könnte. Bisher war jedoch unklar, ob die aktuellen Veränderungen der AMOC ein Umkippen ankündigen oder nur lineare, grundsätzlich stabile Schwankungen darstellen.

Fahndung nach den Vorzeichen

Diese Fragen hat Boers nun noch einmal genauer untersucht. Für seine Studie analysierte er acht verschiedene Indikatoren für Temperatur und Salinität des Atlantiks und suchte in den Zeitreihen nach Vorzeichen einer Destabilisierung. Zu diesen gehören stärker werdende Schwankungen, sowie eine zunehmende Autokorrelation der Messwerte. Das bedeutet, dass Abweichungen vom Mittel vermehrt ähnliche Ausschläge nach sich ziehen. Erst vor Kurzem haben Forscher diese Warnzeichen beim grönländischen Eisschild beobachtet. Mehr erfahren...

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