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Der Westliche Kongsfjord auf Spitzbergen. Bild: Wikimedia Commons/Bjoertvedt (CC BY-SA 3.0)

Schwindende Gletscher

Die Gletscher abseits von Antarktis und Grönland sind Zwerge, wenn man sie mit den Eisschilden der Polarkappen vergleicht. Auf sie entfällt nur etwa ein Prozent des gesamten irdischen Eisvolumens, und doch haben sie im 20. Jahrhundert wohl am stärksten zum Anstieg des Meeresspiegels beigetragen. Fast ein Drittel dürfte auf ihr Konto gegangen sein. Eine Forschergruppe der Universität von Kalifornien in Irvine hat jetzt in den "Geophysical Research Letters" die Dynamik der Eismassen in den Hochgebirgen beleuchtet.

Die Forscher unter Leitung von Isabella Velicogna haben die Daten der Satellitenmissionen GRACE und GRACE-FO ausgewertet, die in den Jahren 2002 bis 2017 und wieder seit Januar 2019 das Gravitationsfeld der Erde vermessen. "Die Satelliten stellen einen einzigartiges Instrument dar, um die Süßwasserreserven in entlegenen Regionen über politische Grenzen hinweg mit Präzisionsmessungen zu überwachen", betont Velicogna, "und unsere Ergebnisse bedeuten sehr schlechte Nachrichten für die Regionen, deren Wasserversorgung auf die Inlandsgletscher angewiesen ist." Das gilt insbesondere für die dicht besiedelten Gebiete rings um die Hochgebirge Asiens, deren Flüsse durch die Gletscher in Himalaya, Hindukusch, Altai oder Karakorum gespeist werden. "Hier und in den südamerikanischen Anden ist das Schmelzwasser der Gletscher eine Hauptquelle für Trinkwasser und Bewässerung, von der viele Hundert Millionen Menschen abhängen", so Velicogna.

Eine aktuelle Eisvolumenabschätzung der ETH Zürich und der Schweizer Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft aus dem Jahr 2018 hatte für die asiatischen Hochgebirge ermittelt, dass das Volumen ihrer Gletscher um rund ein Viertel niedriger anzusetzen war als bislang gedacht. "Aufgrund dieser Neueinschätzung müssen wir davon ausgehen, dass die asiatischen Hochgebirge ihre Gletscher schneller verlieren können als bisher angenommen», sagte damals Studienleiter Daniel Farinotti, Professor für Glaziologie an ETH und WSL. Statt ab 2070 könnten Asiens Bevölkerungszentren schon zehn Jahre früher in ernsthafte Wasserprobleme geraten.

Velicognas Team stützt die Aussagen der Schweizer. Aus den Schwerefelddaten der GRACE-Missionen ermittelten die US-Forscher einen jährlichen Masseverlust von knapp 29 Gigatonnen, stellten über den gesamten Zeitraum von mehr als 17 Jahren aber einen deutliche Beschleunigung der Schmelze fest, sie betrug rund zehn Gigatonnen pro Jahr. Das gesamte Eisvolumen der asiatischen Hochgebirge dürfte sich auf rund 7000 Kubikkilometer belaufen, was in etwa einer Masse von 6000 Gigatonnen entspricht. Mehr erfahren...

 

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