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Quelle: AWI

So veränderte sich der Meeresboden des Südpolarmeeres – und mit ihm das Klima

Forscher rekonstruieren die Meerestiefen des Südlichen Ozeans für Schlüsselmomente in 34 Millionen Jahren antarktischer Klimageschichte

Die Vereisungsgeschichte der Antarktis ist derzeit eines der wichtigsten Themen der Klimaforschung, denn angesichts des fortschreitenden Klimawandels stellt sich die Frage: Wie haben die Eismassen des südlichen Kontinents in der Vergangenheit auf den Wechsel zwischen Kalt- und Warmphasen reagiert und wie werden sie es in Zukunft tun? Einem internationalen Forscherteam unter Leitung von Geophysikern des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) ist es nun gelungen, neue Einblicke in neun Schlüsselmomente der antarktischen Klimageschichte über 34 Millionen Jahre zu gewinnen, indem sie die Wassertiefen des Südpolarmeeres für diese Zeitpunkte rekonstruiert haben. Die neuen Meereskarten erlauben unter anderem Rückschlüsse auf den damaligen Verlauf von Meeresströmungen und zeigen, dass die großen Gletscher der Ostantarktis in zurückliegenden Warmphasen auf ähnliche Weise auf den Klimawandel reagiert haben, wie heutzutage bereits die Gletscher in der Westantarktis. Die Karten und der dazugehörige frei verfügbare Fachartikel sind jetzt im Online-Fachmagazin „Geochemistry, Geophysics, Geosystems“ erschienen, einer Publikation der American Geological Union. 

Der Südliche Ozean ist einer der wichtigen Pfeiler im Klimasystem der Erde. Sein Zirkumpolarstrom, die mächtigste Meeresströmung der Erde, verbindet den Pazifischen, den Atlantischen und den Indischen Ozean miteinander und isoliert die Antarktis und ihre Eismassen seit etwa 30 Millionen Jahren klimawirksam vom Rest der Welt. Heute wie damals aber können gewaltige Meeresströmungen nur dort fließen, wo das Wasser tief genug ist und Hindernisse wie Landbrücken, Inseln oder aber Unterseegebirge und -plateaus ihnen nicht den Weg versperren. Wer die Klima- und Vereisungsgeschichte der Antarktis verstehen will, muss daher genau wissen, wie die Wassertiefen und Oberflächenstrukturen des Meeresbodens im Südlichen Ozean in der Vergangenheit ausgesehen haben.

Diese Informationen finden Forschende aus aller Welt jetzt in neuen hochauflösenden Meeresboden-Rasterkarten und Modelldatensätzen, die ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Geowissenschaftlern des AWI für neun Schlüsselmomente der antarktischen Klimageschichte erstellt hat. „Die Geographie des Südlichen Ozeans hat sich im Verlauf der Erdgeschichte permanent verändert, weil Kontinentalplatten zusammenstießen oder auseinanderdrifteten, sich Unterseegebirge auftürmten, Eismassen wie Bulldozer die abgelagerten Sedimente über die Kontinentalschelfe verschoben oder aber Schmelzwasser Schwemmmaterial von Land ins Meer transportierte und dort ablagerte“, sagt AWI-Geophysiker und Ko-Autor Dr. Karsten Gohl. Durch jeden dieser Prozesse veränderten sich die Wassertiefen und mitunter auch die Meeresströmungen. Die neuen Rasterkarten stellen dar, wie sich die Oberflächenstruktur des Meeresbodens im Laufe von 34 Millionen Jahren entwickelte – mit einer Auflösung von etwa 5 mal 5 Kilometern pro Datenpixel und damit um ein 15-Faches genauer als Vorgängermodelle. Mehr erfahren...

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