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Stgrecke entlang Glasfaserkabel (GFZ)

Sprengung einer Weltkriegsbombe per Glasfaser-Seismik verfolgt

Mit der Entscheidung der möglichen Sprengung einer Weltkriegsbombe am 26.6.2020 in Potsdam ergab sich für die Wissenschaft ad hoc die Möglichkeit einer geophysikalischen Erkundung des Potsdamer Untergrundes, die das Deutsche GeoForschungsZentrum GFZ in Absprache mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg (KMBD) und der Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP) durchführte. Die Forschenden nutzten die Detonation als Signalquelle für eine Messung, bei der sie konventionelle Messverfahren mit einer neuartigen faseroptischen Messtechnologie kombinierten, was zu einer besonders hohen Datendichte und Datenqualität führte.

Charlotte Krawczyk, Direktorin des Departments Geophysik am GFZ: „Die gefährliche Hinterlassenschaft eines Krieges für eine geowissenschaftliche Testmessung mitten in der Stadt nutzen zu können und damit die Sprengung der Bombe in eine sinnvolle Nutzung münden zu lassen, war uns und allen Beteiligten sofort Ansporn und Herausforderung. Dieses Momentum möchten wir kooperativ ausbauen.“

Für die Messkampagne wurden 15 Geophone auf dem Telegrafenberg und 3 Geophone auf der Freundschaftsinsel in 10, 50 und 100 Meter Entfernung vom Schusspunkt aufgestellt. Mehrere Schallmessgeräte befanden sich auf dem Telegrafenberg, in Potsdam West und in unmittelbarer Nähe des Schusspunktes der Helmholtz-Straße sowie in Berlin-Westend.

Wissenschaftlich besonders interessant war die Einbeziehung von zwei Glasfasern des städtischen Telekommunikationsnetzes, an die in Absprache mit EWP kurzfristig Messgeräte angeschlossen werden konnten. Eine Telekommunikations-Messlinie verlief von der Posthofstraße zur Steinstraße entlang der Großbeerenstraße unterhalb der Havel in 75 Meter Entfernung von der Detonation, eine weitere in Richtung Potsdam West entlang der Zeppelinstraße (siehe Karte Abbildung 1).

Das dabei genutzte Verfahren der ‚Ortsverteilten Akustischen Aufnahme‘ (englisch 'DAS', für 'Distributed Acoustic Sensing') setzt Glasfasern als seismische Sensoren ein, über die Bewegungen des Untergrundes erfasst werden (siehe Messprinzip in Abbildung 2). Da sie eine weitaus höhere räumliche Dichte entlang der Profillinie haben als Auslagen mit konventionellen Geophonen, bilden sie Strukturen und Eigenschaften im Untergrund genauer ab. Diese, von GFZ-Wissenschaftlern erstmals 2018 auf Island demonstrierte innovative Erkundungsmethode, hat großes Potenzial für die Erkundung und Überwachung im innerstädtischen Raum, wo Glasfaserkabel in Telekommunikationsnetzen zahlreich vorhanden sind. Mehr erfahren...

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