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Erste Bohrungen im Projekt STAR. Quelle: GFZ

Start des neuen wissenschaftlichen Bohrprojektes STAR in Italien

Der rund 1500 Kilometer lange Gebirgszug Apennin in Italien bildet eine tektonisch aktive Grenze zwischen der eurasischen und der adriatischen Platte und macht Italien anfällig für Erdbeben. Aus jüngster Zeit sind die Erdbeben in L´Aquila (2009) und die Erdbebenserie von Amatrice-Norcia-Visso (2016-2017) wegen ihrer verheerenden Zerstörungen und zahlreichen Todesopfer in Erinnerung geblieben.

Gebiet von besonderem geologischen Interesse

Von den zahlreichen geologischen Störungen im Apennin ist die sogenannte Alto-Tiberina-Abschiebung (ATF) im nördlichen Teil des Apennin von besonderem wissenschaftlichen Interesse. Entlang der ATF bewegen sich Gesteinspakete in vergleichsweise flachem Winkel aneinander vorbei. Dennoch lässt sich an der ATF - neben einem zu erwartenden aseismisches Gleiten - auch seismisches Verhalten beobachten. Das Verständnis der dahinter liegenden physikalischen Zusammenhänge hat Auswirkungen auf die Bewertung seismischer Gefährdungen und Risiken in Störungszonen der ganzen Welt.

Bohrprojekt STAR gestartet

Mit dieser Zielstellung hat Ende September das Projekt STAR (A Strainmeter Array Along the Alto Tiberina Fault System, Central Italy) begonnen, welches vom International Continental Scientific Drilling Program ICDP und dem Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia INGV gefördert wird. Für die wissenschaftlichen Untersuchungen der ATF, welche in der Nähe der Stadt Gubbio (Umbrien) stattfinden, arbeiten Partnerinstitutionen aus Italien, den USA und Deutschland zusammen.

Das STAR-Team hat mittlerweile ein erstes von insgesamt sechs 80 bis 160 Meter tiefen Bohrlöcher gebohrt, die im Abstand von einigen Kilometern geplant sind. Die Bohrlöcher reichen nicht bis in die Störung selbst hinab, liefern aber aus der Zone darüber relevante Daten – über einen Zeitraum von vielen Jahren: Für die langfristige geophysikalische Überwachung werden sie mit Dehnungsmessern und Seismometern ausgestattet.

Besonderheiten der Alto-Tiberina-Abschiebung

An der Alto-Tiberina-Störung (ATF) liegen Gesteinsschichten in nur geringem Winkel aufeinander. Zu erwarten wäre, dass sie, falls überhaupt, nur langsam aneinander vorbeigleiten und nur eine geringe Erdbebenaktivität zeigen. Dennoch wird phasenweise das Gegenteil beobachtet: Gubbio wurde z.B. im Jahre 1984 von einem Erdbeben der Stärke Mw 5.6 erschüttert. Man spricht daher vom sogenannten „Low-Angle Normal Fault Paradox“. Mehr erfahren...

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Erdölförderung im Emsland

Erdölförderung im Emsland (Foto: Wintershall Holding GmbH)