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Bild: Wikimedia/Stephen W. Dengler/GFDL 1.3

Überraschende Wellen vom Stromboli

Der Stromboli ist von den großen italienischen Vulkanen der unbekannteste, allerdings auch der aktivste. Seit 1934 ist der Vulkan nicht zur Ruhe gekommen, auch wenn es nur selten zu größeren Ausbrüchen kam. Dass der Inselvulkan durchaus heftiger sein kann, zeigen italienische Forscher in den aktuellen "Scientific Reports" von "Nature". Dort berichten sie von insgesamt drei bislang unbekannten Tsunamis aus dem 14. und 15. Jahrhundert, die bis ins 200 Kilometer entfernte Neapel gedrungen seien. Die Wissenschaftler fordern eine Neueinschätzung des Risikos, das vom Stromboli für das Tyrrhenische Meer ausgeht.

"Es wäre eine zu lange Erzählung, um all die Schrecken jener höllischen Nacht aufzuzählen. Ohnehin überstiege die Wahrheit alles, was man mit Worten ausdrücken kann, so dass ich fürchte, dass meine Worte leer erscheinen." So leitete der italienische Dichter Francesco Petrarca in einem Brief vom 26. November 1343 seine Schilderung eines Tsunamis im Hafen von Neapel ein. Petrarca war als Botschafter des Papstes nach Neapel gereist und erlebte dort "das wohl furchtbarste Ereignis, das ich je mitgemacht habe". Italienische Vulkanologen und Archäologen verknüpfen jetzt in "Scientific Reports" Petrarcas Bericht mit Tsunamibefunden auf der Vulkaninsel Stromboli.

"Wir haben drei Schichten gefunden, die von Tsunamis verursacht wurden, und dazu zwei Vulkanaschelagen und konnten diese auf ein Zeitintervall zwischen 1300 und circa 1450 datieren", berichtet Mauro Rosi, Vulkanologie-Professor an der Universität Pisa. Sie würden zu Petrarcas Brief und zwei weiteren literarischen Zeugnissen aus den Jahren 1392 und 1456 passen. Dass der Inselvulkan vor der Westküste Kalabriens in den vergangenen 1000 Jahren drei solcher Flutwellen erzeugte, war bislang nicht bekannt.

Schwere Verwüstungen in Neapel

Die erste Tsunami-Lage an der Nordküste Strombolis ist die dickste, wurde daher von der stärksten der drei Flutwellen verursacht. Das passt gut zu der dramatischen Schilderung Petrarcas an Kardinal Giovanni Colonna: "Welche Wassermassen? Welche Winde? Welche Geräusche? Welch schreckliches Dröhnen des Himmels? Welch furchtbares Erdbeben? Welch erschreckender Lärm des Meeres", schreibt der Dichterfürst am Tag nach dem Ereignis. Die Stadt habe sich bereits den Tag zuvor in höchster Aufregung befunden, weil ihr ein schweres Erdbeben vorhergesagt worden sei. Überall hätten die Menschen Bußprozessionen und Bittgottesdienste abgehalten, selbst die Königin habe barfüßig die Gottesmutter um Gnade angefleht.

Dann habe sich abends über all die Gebete ein noch lauterer Lärm am Hafen erhoben. Petrarca bestieg schließlich ein Pferd und ritt von seinem Quartier im Konvent von San Lorenzo Maggiore hinab ins Hafenviertel. Dort sah der Dichter "das Meer bedeckt von unzähligen Unglücklichen, die mit aller Kraft versuchten wieder an Land zu gelangen, nachdem die Gewalt des Meeres sie mit ungeheurer Wut ins Hafenbecken gezogen hatte." Daneben trieben viele Tote und Sterbende auf der Wasseroberfläche, Ertrinkende und solche mit schwersten Verletzungen an Kopf, Körper und Gliedmaßen. Das vorhergesagte Erdbeben war ausgeblieben, dafür hatte ein Tsunami den Hafen getroffen und schwerste Verwüstungen angerichtet.

Tsunamipotential des Stromboli muss neu abgeschätzt werden

"Zum selben Zeitpunkt wurde der Hafen von Amalfi, südlich von Neapel, völlig zerstört", berichtet der Vulkanologe Mauro Rosi, "und diese Tatsache passt in meinen Augen gut zu einem Tsunami, der von Stromboli ausgelöst wurde. Mehr erfahren...

 

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