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Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nehmen Wasserproben, um sie auf einzellige Räuber hin zu untersuchen. Foto: Marie Cuvelier Vorbereitungen für Sammlung von Wasserproben während der Dämmerung. Foto: Alexandra Z. Worden

Viren beeinflussen Funktionen im marinen Ökosystem

GEOMAR-Wissenschaftler zeigen ein neues Bild von der Rolle von Viren im Meer

Viren sind hauptsächlich als Erreger von Krankheiten bekannt, die nicht selten tödlich verlaufen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel zeigen jetzt jedoch in Zusammenarbeit mit anderen deutschen und internationalen Kooperationspartnern, wie Viren auch die Ökologie einzelliger Meeresräuber beeinflussen. Dies wirft generell ein neues Licht auf die Rolle von Viren in den Ökosystemen der Ozeane. Für die neuen Erkenntnisse haben die Forschenden eine Reihe innovativer und hochtechnologischer Methoden genutzt, die bislang nicht gleichzeitig bei der Untersuchung mariner Ökosysteme eingesetzt worden sind.

Die Ozeane beherbergen nicht nur große Raubtiere wie Haie oder Orcas. Auch im Reich der Mikroorganismen ernähren sich einige Arten von anderen Lebewesen. Kragengeißeltierchen, in der Fachsprache Choanoflagellaten genannt, gehören zu diesen einzelligen Räubern. Sie sind im Meer weit verbreitet und fressen Bakterien und Kleinalgen. Choanoflagellaten gelten als die nächsten lebenden einzelligen Verwandten von Tieren und können in einen mehrzelligen Zustand übergehen. Aus diesem Grund werden sie intensiv erforscht, um zu verstehen, wie vielzellige Organismen – zu denen auch der Mensch gehört – entstanden sind.

Unter der Leitung von Professorin Alexandra Z. Worden (GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel/Monterey Bay Aquarium Research Institute, MBARI, USA) hat ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nun erste Erkenntnisse über die Interaktion von Choanoflagellaten und Viren gewonnen. In einer mehrjährigen, intensiven Anstrengung gelang es dem Team, das Genom eines Riesenvirus in den einzelligen Räubern nachzuweisen. Das Genom der Viren hatte eine Größe und eine Genzahl, die mit dem kleiner Bakterien vergleichbar ist. Noch überraschender waren aber die vielen Funktionen, die das Genom kodiert. Die Studie wurde jetzt in der internationalen Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences USA veröffentlicht. Mehr erfahren...

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Erdölförderung im Emsland

Erdölförderung im Emsland (Foto: Wintershall Holding GmbH)