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Dr. Werner Neumann - Dipl. Physiker, ehem. Leiter des Energiereferats der Stadt Frankfurt am Main und seit 2004 Sprecher des Bundesarbeitskreises Energie im Wissenschaftlichen Beirat des BUND.

Wie kann die Wärmewende gelingen?-Energieeffizienz, Energieträger, Energietechnologien

Gastbeitrag von Dr. Werner Neumann - Sprecher des Bundesarbeitskreises Energie im Wissenschaftlichen Beirat des BUND: "Die Wärmewende ist machbar."

Wärmewende wurde vernachlässigt

In den letzten Jahrzehnten wurde parallel zum  starken Ausbau der erneuerbaren Energien im Strombereich, die Wärmewende weitgehend vernachlässigt oder ganz vergessen. Vorgaben für energiesparendes Bauen im Neubau und – noch wichtiger – die Steigerung der Sanierungsrate für bestehende Gebäude sind ausgeblieben. Und obwohl seit Jahren das Wort der „Sektorkopplung“ die Runde macht, wurde dies meist nur einseitig verstanden, nämlich als Stromanwendung im Wärmesektor. Dass es seit vielen Jahrzehnten die Technik der Kraft-Wärme-Kopplung gibt, ob als Kleinstanlage oder in Großkraftwerken wurde tunlichst übersehen. Noch problematischer ist, dass sich zwischen den verschiedenen im Folgenden dargestellten Komponenten der Wärmewende immer mehr Konkurrenzen aufgetan haben und auch durch Spartenvertreter verstärkt wurden. Da stellen sich die Fragen, Einzelheizung oder Wärmenetz, Solarthermie oder Photovoltaik, Geothermie oder Biomasse, und wenn ja, in welcher Form aus welcher Quelle. Schon diese Bestandsaufnahme zeigt, dass es einer Strategie bedarf, die zudem nicht allein auf der Ebene „Technologieoffenheit“ und Marktwirtschaft entschieden werden kann, sondern vielmehr einer rationellen Planung und Organisation von Energieeinsparung und Wärmeversorgung bedarf. Man könnte sagen, es gibt ein Recht auf Wärmeversorgung und damit diese erneuerbar und preiswert zugleich ist, bedarf es einer Planung von Wärmeversorgungssystemen und Energietechnologien. Ansonsten können Kostenvorteile durch Skalierungseffekte von Wärmenetzen nicht genutzt werden.

„Efficiency first“

Im Jahr 2016 proklamierte der damalige Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel die Parole „Efficiency first“. Es wurden Ziele formuliert, es wurden Leitfäden erstellt, jedoch fehlten oft die letzten Schritte zur Umsetzung in die Breite, bis auf durchaus zahlreiche Vorzeigeprojekte. Zentraler Ansatz ist, dass in aller Regel die Energieeinsparung kostengünstiger ist, als jegliche Energieversorgung. Energieeinsparung bei Gebäuden bedeutet, wenn ohnehin bauliche Sanierungsmaßnahmen anstehen, bei dieser Gelegenheit dann die jeweils beste Bauweise einzusetzen – neue Fenster mit Dreifachverglasung, Wärmedämmung mit mind. 15 cm Dicke, Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung. Damit kann der Heizwärmebedarf meist schon um 30-50% gesenkt werden. Weitere 20-30% Einsparung kann sich aus dem Einsatz neuer Heizungs-techniken ergeben, schlicht weil der Bestand alter Kessel auf Basis fossiler Brennstoffe wie Heizöl oder Erdgas nur Jahresnutzungsgrad von 60-80% aufweist – den Betreibern meist unbekannt, da der Schornsteinfeger nur die Abgasverluste misst, weitere Ineffizienzen jedoch größer sind. Vorteil der Energieeinsparung ist, dass damit auch ein höherer Komfort, wie wärmere Wände und bessere Luft einhergeht.

Mit der Senkung des Heizwärmebedarfs um den Faktor zwei bis drei entspannt sich die Frage, welches Heizungssystem die beste Alternative ist, die Antwort muss in jedem Fall sein, erneuerbare Energie, aber deutlich weniger als bisher. Dies entlastet die Strategie bei der Frage nach den verfügbaren Energiequellen und die Verbraucher von zu hohen Kosten. Nichts ist so schädlich für Verbraucher*innen und die Energiewende, wie ein zu hoher Einsatz von erneuerbaren Energien mit ineffizienten Techniken in unsanierten Gebäuden. Mehr erfahren...

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