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Hochwasser Foto: Mika Baumeister Quelle: Unsplash

Wie lassen sich finanzielle Schäden bei Hochwasser besser abwenden?

Hochwasser in Deutschland werden immer kostspieliger. Frühwarnsysteme sollen vor allem Menschenleben schützen, aber auch finanzielle Verluste verringern. Immerhin gibt es schon seit 1889 in Mitteldeutschland entlang von Flüssen Warnsysteme für Hochwasser. Nach wie vor kommen Hochwasser die Gesellschaft und Einzelne sehr teuer zu stehen. Wissenschaftler:innen vom Deutschen GeoForschungsZentrum und der Universität Potsdam haben nun quantitativ untersucht, welche Faktoren wirklich entscheidend sind, wenn es darum geht, finanzielle Schäden bei Hochwasser zu reduzieren. Daraus ergeben sich explizite Handlungsempfehlungen für die Praxis. Einzigartig war der Datensatz, auf den sich die Forscher:innen stützen konnten. Er enthielt detaillierte Informationen darüber, wie Hochwasserwarnungen bei Betroffenen eingingen, welche Informationen sie enthielten und welcher monetäre Schaden letztendlich entstand. Ein Interview mit PD Dr. Heidi Kreibich zur kürzlich erschienenen Publikation.


Frau PD Dr. Kreibich: Aus welchen Komponenten besteht ein Frühwarnsystem für Hochwasser denn grundsätzlich?

Ein Hochwasser-Frühwarnsystem basiert auf dem Wissen über das Hochwasserrisiko und besteht aus den zusammenwirkenden Komponenten Überwachung und Vorhersage, Verbreitung von Warnungen und Kommunikation sowie der Reaktionsfähigkeit der betroffenen Gesellschaft. Verschiedene Organisationen und Interessengruppen, einschließlich der Öffentlichkeit, müssen in der Lage sein, zu diesen Komponenten beizutragen und entsprechend zu handeln.

Welche Faktoren beeinflussen die resultierenden finanziellen Schäden im Falle eines Hochwasserereignisses entscheidend?

Wichtige Faktoren sind die Vorwarnzeit, die bestimmt wie viel Zeit für Notmaßnahmen zur Verfügung steht, die Hochwasserintensität insbesondere Wasserstände und Fließgeschwindigkeiten und die Fähigkeit des Katastrophenschutzes und der Betroffenen, wirksame Notfallmaßnahmen zu ergreifen.

Ihre aktuelle Arbeit basiert auf einem umfangreichen Datensatz, der viele Details zu den Schädigungsprozessen bei Hochwasser enthält. Wie haben Sie diese Datengrundlage erhoben?

Beginnend mit dem extremen Hochwasser 2002 haben wir nach allen großen schadenträchtigen Hochwasserereignissen in Deutschland Befragungen von Betroffenen durchgeführt, um Details über die Schadenprozesse zu erheben. Die standardisierten Fragebögen für alle Erhebungskampagnen enthielten etwa 180 Fragen. Aspekte, die unser Fragebogen erfasste, sind die Hochwassergefahr, das heißt zum Beispiel die Überflutungstiefe und -dauer sowie die Fließgeschwindigkeit, dann auch Fragen zur Erfahrung der Betroffenen mit Hochwasser und dem Bewusstsein dafür. Zudem geht es in dem Fragebogen um die Frühwarnung selbst, spezifische Notfall- und Vorsorgemaßnahmen, aber auch um Gebäude- und sozioökonomische Merkmale. Selbstverständlich haben wir auch die entstandenen Gebäude- und Hausratschäden damit erfasst. Somit konnten wir unsere Analyse auf einen einmaligen Datensatz stützen, der 4.468 Schadensfälle aus sechs Hochwasserereignissen (2002 -2013) enthält.

Sie analysierten nun in Ihrer aktuellen Arbeit, welche Art von Frühwarnungen die Betroffenen im Falle eines Hochwassers erhielten, welche Kenntnisse sie hatten und wie sich das auf hinzunehmende finanzielle Verluste des Haushaltsvermögens auswirkte. Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Wir quantifizierten den durchschnittlichen Effekt verschiedener Hochwasser-Frühwarnsituationen in Bezug auf die Verringerung von Gebäude- und Hausratschäden, indem wir eine Methode anwendeten, die sich Propensity Score Matching nennt. Mit dieser Methode werden störende Effekte anderer Einflüsse auf den Schaden herausgerechnet, so dass wir den kausalen schadensreduzierenden Effekt folgender Varianten bestimmen konnten: Erstens, die Betroffenen erhielten eine Frühwarnung mit einer Vorwarnzeit von mindestens einer Stunde; zweitens, die Betroffenen erhielten eine Frühwarnung mit einer Vorwarnzeit von mindestens einer Stunde die besonders hilfreiche Informationen enthielt; oder drittens die Betroffenen erhielten eine Frühwarnung mit einer Vorwarnzeit von mindestens einer Stunde und gaben zusätzlich an, dass sie wussten, was zu tun war.

In einem zweiten Schritt analysierten wir mit einem Regressionsmodell, welche Faktoren damit zusammenhängen, dass die Betroffenen eher wissen, was zu tun ist, wenn sie eine Hochwasserwarnung erhalten. Mehr erfahren...

 

 

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