Inhalt

Blick auf das israelische Eilat im Golf von Akaba im nördlichen Roten Meer. Bild: Wikimedia/Tiia Monto (CC BY-SA 3.0)

Zufallsfund im Roten Meer

Der Nahe Osten ist das Zentrum der Erdöl- und Erdgasförderung, entsprechend hoch sind auch die Emissionen, die die Produktion begleiten. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Chemie sind auf einer Forschungsfahrt um die Arabische Halbinsel herum einer Quelle von Luftschadstoffen auf die Spur gekommen, die bisher unbekannt war. In "Nature Communications" berichten sie, dass vom Boden des nördlichen Roten Meeres beträchtliche Mengen kurzkettiger Kohlenwasserstoffe aufstiegen.

Die viertgrößte Quelle für kurze Kohlenwasserstoffe wie Ethan und Propan im Nahen Osten ist eine natürliche, die in keinem Computermodell oder Treibhausgasbudget auftaucht. Eine Forschungsexpedition des Max-Planck-Instituts für Chemie um die Arabische Halbinsel herum hat 2017 in der Luft über dem nördlichen Roten Meer extrem hohe Gehalte für die Substanzen gemessen. Bei Ethan und Propan überstiegen die Werte die modellierten um bis das 40-fache. Damit liegt die Meeresregion zwischen dem Golf von Aqaba im Osten und Suez im Westen noch vor Kuweit oder den Vereinigten Arabischen Emiraten an Platz 4 der Emissionssünder in der bedeutendsten Ölförderregion der Welt.

"Da bisher Daten aus diesem Gebiet fehlen, mussten wir die Quelle für diese Ausgasungen erst mithilfe von zahlreichen Berechnungen identifizieren", so Efstratios Bourtsoukidis in einer Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft. Bourtsoukidis ist Umweltphysiker am MPIC und Leitautor der Studie, die in "Nature Communications" erscheint. "Wir kamen zu dem unerwarteten Schluss, dass die Substanzen vom Boden des nördlichen Roten Meeres stammen müssen", so Bourtsoukidis. Mangels Daten sind die Emissionen bislang nicht in den Klimamodellen berücksichtigt, in einem Budget der Klimagase tauchen sie ebenfalls nicht auf.

Anders als Kohlendioxid oder der kleinere Kohlenwasserstoff Methan haben Ethan und Propan vor allem indirekte Wirkung auf die Erdatmosphäre. Sie sind Vorläufersubstanzen für Ozon, das sich dann im untersten Atmosphärenstockwerk, der Troposphäre anreichert, und sie reagieren mit Hydroxyl-Radikalen, dem Waschmittel der Atmosphäre. Wenn Ethan und Propan viele Hydroxyl-Radikale wegfangen, kommen das immens treibhauswirksame Methan und andere Spurengase ungeschoren davon und können länger in der Atmosphäre bleiben. Mehr erfahren...

 

Kontextspalte

Kontakt

Deutsche Geologische
Gesellschaft – Geologische
Vereinigung e. V. (DGGV)

Geschäftsstelle Berlin
Rhinstraße 84
12681 Berlin

Ansprechpartnerin:
Frau Lara Müller-Ruhe
Tel. 030-509 640 48
E-Mail senden

www.dggv.de

Erdölförderung im Emsland

Erdölförderung im Emsland (Foto: Wintershall Holding GmbH)