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Page of the DGGV-chairman

Wort des Präsidenten - August 2020

Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

im letzten GMIT Artikel habe ich Ihnen über den Wandel berichtet, der auf uns Geologen zukommt in Zeiten der Energiewende. Dies ist jedoch bei Leibe nicht der einzige Wandel, den wir derzeit miterleben dürfen. Unsere Jahrestagung in Utrecht hat dies deutlich gemacht.

Die Vorbereitungen zur GeoUtrecht 2020 und der Umbau von lokaler Präsenz hin zu einem virtuellen Auftritt aufgrund von Covid-19 haben gezeigt, wie es möglich ist, unter großem Zeitdruck, mit Hilfe der Digitalisierung, unsere Arbeitsweisen fundamental umzustrukturieren. Es war erstaunlich zu verfolgen, wie unsere Organisation, in Zusammenarbeit mit den Partnern KNGMG und der Universiteit Utrecht in den Niederlanden, die Jahrestagung in einem vollständig neuen Format präsentiert haben. Im Gegensatz zu anderen virtuellen Konferenzen wurde dabei Wert auf die Möglichkeit gelegt Live-Vorträge im virtuellen Vortrags- und Ausstellungszentrum zu ermöglichen. Selbst ein vielseitiges Angebot an geologischen Exkursionen waren im Programm – alles natürlich virtuell, unter Verwendung neuester Technologien, die gerade weltweit Anwendung in der Ausbildung an vielen Universitäten und in der Industrie finden. Interessanterweise war die Nachfrage zu unserer Konferenz, inklusive der Möglichkeit zur interaktiven Diskussion, enorm. Das gesetzte Limit an Abstracts war schnell erreicht, so dass wir wohl nicht allen Nachfragen nachkommen konnten – ich bitte um Nachsicht diesbezüglich. Auch die große Anzahl an registrierten Besuchern, speziell aus dem Kreise der jungen Geowissenschaftler, hat deutlich gezeigt, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben, sprich die Konferenz nicht abzusagen und stattdessen alternative Lösungen zu finden. Allen Beteiligten, speziell Prof. Liviu Matenco und seinem Team an der Erdwissenschaftlichen Fakultät in Utrecht gilt unser ausdrücklicher Dank dafür – sehr beeindruckend und sicherlich auch gewissermaßen wegweisend für unsere Zukunft.

Parallel dazu ist die Digitalisierung in der DGGV einen großen Schritt vorangekommen. Vorstands- und Beiratssitzungen und unsere Mitgliederversammlung können inzwischen auch virtuell veranstaltet werden, was zu einer erhöhten Flexibilität der Gesellschaft geführt hat. Auch dahinter steckt umfangreiche Arbeit auf Seiten der Geschäftsstelle in Berlin - herzlichen Dank dafür. Die notwendige IT-Infrastruktur dazu ist nun aufgebaut und wir können weitere Schritte planen.

Solche Planungen sind schon in vollem Gange und ich hoffe, dass Sie baldmöglichst DGGV Webinaren, Geo-Lernprogrammen und Distinguished Lecturer Vorträgen beiwohnen können. Ihre Mitarbeit und Beiträge dazu sind erwünscht, um die DGGV weiter in diese Richtung zu entwickeln. Ziel ist es, über unsere Zeitschriftenreihen und Tagungen hinaus, auch neue digitale Angebote für unsere Mitglieder zu gestalten. Gleichzeitig wollen wir es unseren Mitgliedern erleichtern, an DGGV Veranstaltungen teilzunehmen. Damit hoffen wir ebenfalls einen breiteren Kreis an Geo-Wissenschaftlern und Geo-Interessierten zu erreichen. Digitale und virtuelle Angebote der DGGV werden in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, dafür werde ich mich weiterhin einbringen.

Corona hat vieles verändert. Die DGGV hat darauf reagiert und Antworten gefunden, wie die GeoUtrecht 2020 deutlich gezeigt hat. Leider ist durch Corona aber ein Aspekt in den Hintergrund gerückt, den ich für uns Geowissenschaftler als besonders wichtig erachte, nämlich eine intensivere Zusammenarbeit zwischen den Geo-Gesellschaften. Ich wünsche mir, dass ich Ihnen in Zukunft auch dazu von weiteren Fortschritten berichten kann.

Bleiben Sie gesund und Glückauf

 Ihr

Jürgen Grötsch


 

Wort des Präsidenten - Juni 2020

Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

Erlauben Sie mir heute auf eine Frage einzugehen, die mir immer wieder gestellt wird: Gibt es denn noch eine Rolle für Geologen in Zeiten der Energiewende?

Sicherlich wird sich das Arbeitsfeld im Bereich Geo-Energie verändern und deshalb ist es auch wichtig, dass wir als Geowissenschaftler diese Entwicklungen nicht nur erkennen, sondern auch aktiv mitgestalten. Der Trend weg von treibhaus- und abgasintensiven Energieträgern wie Holz, Kohle und Erdöl hin zu Erdgas war dabei in den letzten Jahrzehnten schon zu erkennen und wird auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen, wie etwa in China. Die Notwendigkeit für mehr und sauberere Energie ist dabei aufgrund der steigenden Weltbevölkerung eine treibende Kraft dahinter. Heute kommen Zielvorgabe des Pariser Abkommens hinzu, die schon jetzt zum Ausbau von Energieträgern führen, die die nächsten Schritte in Richtung Reduktion von globalen Emissionen bewirken müssen, d.h. Wind, Solar, Wasserstoff, Biokraftstoffe und integrierte Lösungen.

Letztere Tatsache wird dazu führen, dass wir als Geowissenschaftler im Energiebereich zusätzlich an Projekten arbeiten werden, die unter den folgenden fünf Punkten zusammengefasst werden können:

  • Carbon capture and storage (CCS ) for carbon critical assets
  • CCS for blue hydrogen
  • CCS for biofuels
  • Energy storage for renewables
  • Geothermal for heat and power

Als kurzes Beispiel: Wasserstoff ist ein Energieträger der Zukunft. Heute wird er zum größten Teil aus Kohlenwasserstoffen gewonnen (grey hydrogen). Er muss in Zukunft entweder aus erneuerbaren Energieträgern (green hydrogen) oder zusammen mit CCS (blue hydrogen) produziert werden. D.h., eine zukünftige, weitere Verbreitung von Wasserstoff als Energieträger benötigt gleichzeitig Lösungen zur Untergrundspeicherung von CO2, da die Herstellung von reinem green hydrogen meist zu energieintensiv ist. Natürlich wird auch der Bedarf an Wasserstoffspeicherung im Untergrund steigen (green and blue hydrogen).

Alle fünf, oben genannten Bereiche haben eines gemeinsam – ihr Erfolg basiert auf einer ausgezeichneten Kenntnis des Untergrundes in der Umgebung von bevorzugten Projektstandorten. Diese Standorte werden flächendeckend über jedes einzelne Land benötigt, etwa auch in Deutschland.

Leider fehlt in diesen neuen Projektentwicklungen die langjährige Erfahrung in Punkto Daten, Kenntnis und Beschreibung des Untergrundes, sowie integrierter Projektentwicklung, die man sich etwa in der Kohlenwasserstoffindustrie in vielen Jahrzehnten erarbeitet hat. Ich möchte hier nur kurz Staufen und Basel als Beispiele im Bereich Geothermie erwähnen, die deutlich gezeigt haben, zu welch unerwünschten Resultaten dies führen kann. Deshalb wird es entscheidend sein, wie gut es uns gelingt diesen Technologietransfer in Richtung Geothermie, CCS und Energiespeicherung im Untergrund umzusetzen. Der Geologe muss bei solchen Entwicklungen eine federführende Rolle spielen, wobei die Zusammenführung von verschiedenen, geowissenschaftlichen Disziplinen von großer Wichtigkeit sein wird.

Leider bestehen, im Vergleich zu einigen europäischen Nachbarländern, in Deutschland nicht die besten Voraussetzungen für solch zukünftige Geo-Energieprojekte. Dies liegt an unserem föderalen System und einer, nicht mehr zeitgemäßen, rechtlichen Grundlage zum Datenmanagement im Bereich der Geowissenschaften. Die erfreuliche Nachricht ist, dass jetzt – unter Mitwirkung der DGGV - daran gearbeitet wird, getrieben von der föderalen Endlagerdiskussion – nicht durch die Energiewende. Das neue, geplante Geologiedatengesetz wird hoffentlich die Hürden mit Bezug auf Geheimhaltungszeiträume und Datenaustausch zwischen Bund und Ländern aufbrechen. Effizienter Austausch von Untergrunddaten über solche Grenzen hinweg und innerhalb Europas wird dabei immer wichtiger werden und benötigt moderne Konzepte des Geodatenmanagements, um die Möglichkeiten der Digitalisierung und vorhandener Technologien ausschöpfen zu können.

Eine Grundvoraussetzung ist es, dass wir es schaffen aus unseren Silos der Geologie, Geophysik, Mineralogie, Paläontologie etc. auszubrechen. Nur so werden wir adäquate Antworten in diesen neuen Aufgabengebieten für uns Geowissenschaftler finden. Dazu benötigen wir integrative, themenorientierte Ansätze und intensive Zusammenarbeit über Disziplingrenzen hinweg. Wir haben hier schon gute Beispiele in den Geo- und Klimawissenschaften, aber es bedarf noch weitergehender Bemühungen, um von einem komfortablen Konzept, das auf Disziplinen basiert hin zu solchen thematischen Arbeitsweisen zu kommen. Diese fühlen sich sicherlich oft weniger familiär an und ein Herausgehen aus dieser Komfortzone wird notwendig sein.

Deshalb zusammenfassend meine Antwort auf die oben gestellte Frage: Ja, sicherlich wird es eine Rolle für Geologen in der Energiewende geben. Das Arbeitsfeld der Geowissenschaften wird sich aufgrund der Energiewende ausweiten und fordert intensive Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen. Bereiten Sie sich gut darauf vor - die DGGV hilft Ihnen gerne dabei.

Zuletzt noch zum Thema Corona von dem auch die DGGV stark betroffen ist. Erlauben Sie mir, Sie dazu auf unseren aktuellen DGGV Newsletter und die Ankündigungen auf der Website und in Facebook hinzuweisen. Dort finden Sie Informationen zum neuesten Stand der Lage. Auch auf der www.GeoUtrecht2020.org Website können Sie die letzten Entwicklungen zur Jahrestagung verfolgen.

Nichtsdestotrotz liegt in jeder Krise auch eine Chance. Erfreulich ist, dass die Schritte in Richtung Digitalisierung bei der DGGV deutlich Fahrt aufgenommen haben und wir weiter dabei sind, diese Möglichkeiten auszubauen.

Glückauf

 Ihr

Jürgen Grötsch


 

Mitglieder-Informationen April 2020 / 2:
Mitteilung des Präsidenten

Liebe Mitglieder der DGGV,

es ist in diesen unsicheren Zeiten auch für die DGGV eine Herausforderung, unsere Aufgaben weiterhin durchzuführen – viele Treffen der Fachsektionen und Arbeitskreise, aber auch des Vorstandes, mussten leider bereits aus verständlichen Gründen abgesagt werden. Die Gesundheit hat auch für uns höchste Priorität und wir werden diesbezüglich keine Kompromisse machen.

Krisensituationen bringen aber auch immer Chancen mit sich - die Digitalisierung ist eine davon. Deswegen sehen Sie, verehrte Mitglieder, auch zunehmend Nachrichten, die über unsere DGGV-Mitglieder-Informationen via e-mail und unserer DGGV-Website (www.dggv.de/) verbreitet werden.
Neu hinzu gekommen sind soziale Medien. So sind wir seit kurzem auch bei Facebook (www.facebook.com/DeutscheGeologischeGesellschaft.de/). Ebenso können Sie einige unserer Fachsektionen auf sozialen Medien finden, wie etwa die FS Geoinformatik auf Facebook (www.facebook.com/fgidggv/) oder die FS Tektonik auf Twitter (twitter.com/TSK_DGGV). Auf Facebook finden Sie außerdem Informationen zum „Tag des Geotops“, der von unserer Fachsektion Geotope und Geoparks federführend organisiert wird (www.facebook.com/Tag.des.Geotops/).

Wir werden weiter daran arbeiten, GeowissenschaftlerInnen auf diese Art und Weise zu erreichen. Herzlichen Dank an Alle, die das ermöglicht haben.

Die DGGV unterstützt auch die Einführung von virtuellen Lernmöglichkeiten, wie etwa die Smartphone App „Outcrop Wizard“ (outcropwizard.de/), welche sich immer größerer Beliebtheit erfreut und deren Wert sich in diesen Zeiten besonders gut zeigt. Ich würde mir wünschen, dass virtuelle Lernplattformen an den Universitäten und „learning nuggets“ oder „webinars“ auch in der geowissenschaftlichen Lehre vermehrt zum Einsatz kommen: in Zeiten geschlossener Universitäten eine Art, Studenten weiterhin adäquate Bildungsangebote anbieten zu können.

Dazu bedarf es auch einer Infrastruktur, die es ermöglicht, einfach und schnell Tele- und Videokonferenzen arrangieren zu können. Universitäten machen diesen Schritt jetzt, wie beispielsweise gerade in Erlangen. Auch daran arbeiten wir in Zusammenarbeit mit dem DV-GEO. Dies bedeutet, dass auch wir uns anpassen müssen in punkto Kommunikation. Ich hoffe, dass diese Schritte in Richtung Digitalisierung auch Ihre Zustimmung finden.

Nicht zuletzt, möchte ich Sie natürlich auf die GeoUtrecht 2020 hinweisen (www.geoutrecht2020.org/), die für den 24.-26. August auf dem Programm steht. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren in Zusammenarbeit mit der Universiteit Utrecht, der Niederländischen Geologischen Gesellschaft (KNGMG), der PalGes und der EAGE. Neben vielen anderen, wird eines der Themen Geo-Energie sein. Bitte informieren Sie sich zum aktuellen Stand auf der Tagungswebsite und über unsere DGGV-Plattformen. Wir fragen uns natürlich alle, ob wir die Jahrestagung in Zeiten von Covid-19 durchführen können. Wir werden Sie weiterhin auf dem Laufenden halten und die Entwicklungen in den Niederlanden und Deutschland sehr sorgfältig beobachten. Die Gesundheit der Teilnehmer steht dabei an erster Stelle.

Bleiben Sie gesund und beteiligen Sie sich am Dialog um die Geowissenschaften,
Ihr
Jürgen Grötsch (Präsident DGGV)

 

Context Column

President
Dr. Jürgen Grötsch