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Geotop des Monats August 2021

Das Felsenmeer im Lautertal

Beschreibung:

Im Jahr 2002 wurde das Felsenmeer im Lautertal zum ersten Geotop des Jahres im Geo-Naturpark gewählt.

Die kristallinen Gesteine des Felsenmeers sind Zeugen des Zusammenstoßes zweier Urkontinente im Erdaltertum vor etwa 340 Millionen Jahren. Die „Quarzdiorite“ entstanden aus Gesteinsschmelzen, die sich infolge der Kollision bildeten und in der Erdkruste in etwa 12 km Tiefe erkalteten. Das ebenfalls bei dem Zusammenstoß der Kontinente entstandene „Variszische Gebirge“ wurde in der Folgezeit wieder abgetragen, wodurch die tief in der Erdkruste erkalteten Gesteine heute direkt an der Oberfläche liegen. Ihre besondere rundliche Form – die Fachleute nennen das „Wollsackverwitterung“ – erhielten die Quarzdioritblöcke in der Tertiärzeit vor etwa 50 Millionen Jahren als in unserer Region subtropisches Klima vorherrschte. In den an der Oberfläche liegenden, zerklüfteten Gesteinskörper drangen saure Niederschläge ein, die eine tiefgründige Zersetzung der Gesteinsminerale bewirkten. So vergruste das Gestein von den Klüften ausgehend tiefgreifend und nur rundlich geformte „Gesteinskerne“ blieben verschont. In den Kaltzeiten (vor etwa 2,6 Millionen bis 10.000 Jahren) kam es dann infolge von Frost- Tauwechseln in den Hanglagen zu Bodenbewegungen (sog. „Gelifluktion“). Hierdurch wurde das verwitterte Material talwärts wegtransportiert. Die verbliebenen Gesteinskerne gerieten ebenfalls in Bewegung und sammelten sich in Rinnen hangabwärts, wo sie heute noch liegen. Die Entstehung des Felsenmeeres ist demnach das Werk komplexer Vorgänge, die vor 340 Millionen Jahren einsetzten, bei subtropischen Klimaten fortdauerten und in den Eiszeiten ihren Höhepunkt fanden. Schon die Römer wussten die Gesteine des Felsbergs zu schätzen. Mehr als 300 Werkstücke zeugen im oberen Bereich des Felsenmeers von einer ehemals regen Steinbruchstätigkeit (200 – 400 n. Chr.). Das Felsenmeer- Informationszentrum (FIZ) bietet umfangreiche Infos und thematische Führungen sowie eine Ausstellung zur Erdgeschichte und zur römischen Steinbearbeitung.

Quellenangabe (Autor des Textebeitrages): Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald

 

Weiterführende Literatur:

Babist, J.; Voegler, A. & Gnirss, M. (2010): Spuren antiker Steingewinnung bei Heppenheim? – Experimentelle Ansätze zum Aufbau einer Typologie der Keiltaschen. In: Geschichtsblätter des Kreises Bergstraße, Band 43, Verlag Laurissa, Lorsch; S. 235–272. ISSN 0720-1044 (PDF);

Barth, H. (1970): Quarzdiorit und Granodiorit des Felsberg-Zuges im Bergsträßer Odenwald: Ihre geologische und petrologische Beziehungen zu Marmor und Amphibolit, Gabbro und Diorit, Dissertation Heidelberg, 144 S.;

Fahlbusch, K., Jorns, W.,  Loewe, G.  und Roeder, J. (1985): Der Felsberg im Odenwald. Mit archäologischen und geologischen Beiträgen über die Entstehung der Felsenmeere und die Technik der römischen Granitindustrie. Theiss, Stuttgart 1985, ISBN 3-8062-0792-5 (Führer zur hessischen Vor- und Frühgeschichte 3).;

Göldner, H. u. Weyrauch, W. (1989): Der Felsberg im Odenwald. Führungsblatt zur römischen Steinindustrie bei Lautertal-Reichenbach, Kreis Bergstraße. Wiesbaden 1989, ISBN 3-89822-080-X (Archäologische Denkmäler in Hessen 80);

Grimm, W.-D. (1990): Bildatlas wichtiger Denkmalgesteine der Bundesrepublik Deutschland, hrsg. vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Gesteins Nr. 020, Lipp-Verlag. München 1990. ISBN 3-87490-535-7

Henrich, K. (2008): Das Odenwälder Felsenmeer und das „vergessene“ Naturschutzgebiet Felsberg (PDF; 6,6 MB). Kassel: KOBRA, 2008.;

Hiller, M. (2002): Abenteuer Felsberg. Felsenmeere und Römersteine. Hiller, Glaser und Reiser. Lautertal 2002. ISBN 3-9806064-3-0;

Lindenthal, J. (2004): Kulturelle Entdeckungen. Archäologische Denkmäler in Hessen. Jenior, Kassel 2004, S. 139–141, ISBN 3-934377-73-4;

Weber, J. (2002): Broschüre zum Geotop 2002 – Felsenmeer im Lautertal. – Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald.

Weber, J. (2006): Schon die Roemer haben es genutzt: Das Felsenmeer bei Lautertal im Odenwald. In: Ernst-Ruediger Look und Ludger Feldmann: Faszination Geologie: Die bedeutendsten Geotope Deutschlands, E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung Stuttgart 2006, ISBN 3-510-65219-3, S. 66f., S.67;

Weber,J.& Bühn,S.(2013):Zwischen Granit und Sandstein - eine Reise in die Erdgeschichte der Geo-Naturpark Region.- 43 S.,Laurissa-Verlag

Werner, J. (1959): Der Felsberg im Odenwald, Amt für Bodendenkmalpflege im Reg.-Bez. Darmstadt, Inventar der Bodendenkmäler, Heft 1, Bärenreiter Verlag Kassel und Basel 1959;

 

Bundesland:
Hessen

Landkreis:
Kreis Bergstraße

Ort:
Lautental

Koordinaten:
49.72148895/8.693920135

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