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In Deutschland bleiben große Gasvorkommen bislang ungenutzt. Die Regierungspartei FDP will deshalb das bisher verbotene Fracking auf den Prüfstand stellen. Ein DW-Gespräch über Risiken und Chancen von Fracking.

DW: Russland dreht den Gashahn zu. Flüssigerdgas (LNG) aus Übersee soll die gröbsten Versorgungslöcher stopfen. In Deutschland werden riesige Gasreserven vermutet, die durch Fracking gewonnen werden könnten. Das aber ist seit fünf Jahren verboten, aus Gründen des Umweltschutzes. Welche Meinung haben Sie als Geologe zum Thema Fracking in Deutschland?

Christoph Hilgers: Nun, Fracking ist eine Methode, mit der man Erdgas weltweit gewinnt. Und das hat man auch in Deutschland gemacht seit den 1960er Jahren. Man hat mehr als 300 Mal gefrackt. Und wenn man das richtig macht, dann geht das Risiko auch gegen Null. So ist in Deutschland auch nie etwas beim Fracking passiert.

Wie groß sind denn eigentlich die Gasvorkommen hierzulande? Es heißt ja, dass der deutsche Gas-Bedarf auf Jahre gedeckt werden könnte?

Wir brauchen im Jahr in Deutschland ungefähr 86 Milliarden Kubikmeter. Die vermuteten Gas-Ressourcen werden auf ungefähr 1,36 Billionen Kubikmeter geschätzt, also ein Vielfaches mehr. Damit könnte über die kommenden Jahrzehnte ein erheblicher Beitrag zur Energie- und Rohstoffversorgung Deutschlands mit heimischem Erdgas geliefert werden. Aber wegen des Fracking-Verbots ist nicht genau geklärt, wie groß die Gasvorräte an Schiefergas tatsächlich sind und wieviel gewinnbar ist.

Es gibt also noch einen gewaltigen Erkundungs-Bedarf. Wie lange würde es dauern, bis die Gasförderung beginnen könnte?

Der Erkundungs-Bedarf ist überschaubar, weil man ja Vorausberechnungen macht, wo welche Gesteine sind und welchen Temperaturen die im Untergrund ausgesetzt sind. Es gibt bereits Modellierungen und Voraussagen, wo ein erhöhtes Potenzial von Schiefergas ist und wo nicht. Generell haben wir in Deutschland zwei Arten von Ressourcen: Einerseits die sogenannten dichten Gas-Lagerstätten. Dort ist das Gas in einem Sandstein im Untergrund gefangen und kann mit den Fracking-Methoden, die man 50 Jahre bis zum Fracking Moratorium 2011 in Deutschland angewandt hat, gewonnen werden. Und zudem gibt es das Schiefergas, das seit einigen Jahrzehnten in den USA und anderen Ländern erschlossen wird.