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Geotop des Monats Dezember 2022

Der Teufelsstein (Diabelski Kamień)


Im polnischen Gebiet des Muskauer Faltenbogens, etwa 2 km südwestlich von Trzebiel, im Tal der Lanka, befindet sich der sogenannte Teufelsstein (Diabelski Kamień). Mit einer Größe von 5,1 x 3,5 x 2,5 m ist er der größte Findling im Geopark und erreicht (mit dem unter der Erde verborgenem Teil zusammen) ein Volumen von ca. 36 m3 sowie eine geschätzte Gesamtmasse von 101 t. Petrographisch handelt es sich vorwiegend um einen geschieferten Alkalifeldspat-Granit mit mittel- bis grobkristallinem Gefüge bestehend aus Quarz (40%), Mikroklin (40%), Plagioklas (15%) und Biotit (5%). Dieser ist intrudiert von einem ebenfalls geschieferten, grobkristallinen pegmatitischem Granit mit gut erkennbaren, bis zu 3 cm großen Kalifeldspat Kristallen. Sein unspezifischer Chemismus erlaubt keine genaue Bestimmung des Herkunftsgebiets. Anhand allgemeingeologischer Merkmale wird sein Liefergebiet in Skandinavien (Finnland, Schweden) vermutet und ein Alter von etwa 1,8-2,0 Milliarden Jahren angenommen.

Der Name Teufelsstein hat seinen Ursprung in einer Sage. Der Geschichte zufolge versuchte der Teufel in Menschengestalt in alter Zeit die schöne Tochter eines Müllers zu heiraten. Die Müllerin jedoch durchschaute seinen Plan und konnte die Hochzeit verhindern. Rasend vor Wut schleuderte der Teufel daraufhin den großen Stein in Richtung der Mühle, aber verfehlte sie.

Bei näherer Betrachtung des Findlings fallen auf seiner Oberfläche drei Bereiche auf, an denen durch Menschendhand geschaffene, kreisförmig angeordnete Bohrlöcher und Einkerbungen sichtbar sind. Möglicherweise dienten diese Vertiefungen als Halterung für Holzstäbe, um daraus ein Sonnensymbol zu erschaffen. In Ermangelung weiterführender archäologischer Forschung ist sowohl die Bedeutung dieser Strukturen als auch ihr Entstehungszeitpunkt nicht hinreichend bekannt. Es ist anzunehmen, dass dieser Ort in früher Zeit als eine Art Kultzentrum diente. Davon zeugen vergleichbare große Findlinge, die im frühen Mittelalter von den einwandernden Slawen als Opferaltare genutzt wurden. Eine Untersuchung des Siedlungsnetzes zeigte, dass im Umkreis von ca. 3,5 km um den Stein keine Spuren slawischer Siedlungen aus der Zeit vor der Mitte des 13. Jahrhundert existieren. Alles scheint darauf hinzudeuten, dass die Gebiete um den Stein herum ein „heiliger Raum“ waren, in dem es nicht möglich war Siedlungen, Felder oder Weiden zu errichten – ein Ort, an dem Götter erschienen.

 

 

Weiterführende Literatur

KUPETZ, A. & KUPETZ, M. [Ed.] (2009): Der Muskauer Faltenbogen.- Wanderungen in die Erdgeschichte (24), 226 S., München (Pfeil)

Details

Bundesland
Landkreis
Powiat, Polen
Ort
Trzebiel