Skip to main content

Geotop des Monats Januar 2022

Muschelkalk bei Hildebrandshausen (Eichsfeld)


Bei Hildebrandshausen sind innerhalb der Eichenberg-Gotha-Saalfeld-Störungszone Schich­ten des „Unteren“ und „Mittleren“ Keuper grabenartig abgesenkt. Südlich der Ortschaft Hil­debrandshausen treten Schichten des Mittleren Muschelkalk von Süden an die südwestliche Randstörung der Grabenzone heran. In einem kleinen Aufschluss, der als geologisches Naturdenkmal (Geotop) un­ter Schutz gestellt ist, sind höhere Teil des Mittleren Wellenkalks und der Bereich der Terebratel­bänke aufgeschlossen. Dem Aufschluß bei Hildebrandshausen kommt weniger eine stratigraphische, sondern überwiegend eine tektonische Bedeutung zu. Die Schichten streichen Nordwest-Südost und fallen überwiegend zwischen etwa 40 ° und 55 ° nach Südwesten ein. Örtlich ist eine Versteilung festzustellen (siehe auch Foto und Grafik). Der Schichtsta­pel ist also nicht zur Störung hin, sondern entgegengesetzt, d.h. „antithetisch“ eingekippt. Der größte Teil des Stoßes ist von einer flachen Störung durchzogen, die im Anschnitt fast söh­lig erscheint und mit etwa 6 ° nach Nordnordosten einfällt. An die­ser Störung ist die hangende Scholle – erkennbar an den Terebratelbänken – um etwa 6 m nach Nordosten (in der Aufsicht auf die Aufschlusswand nach links) versetzt. Von der Stö­rung zweigt ein Trum spitzwinklig ins Liegende ab – die Subterebratelbank ist hier um etwa 0,30 m versetzt. Die Ruptur geht im Wellenkalk in eine Schichtverbiegung über. Im Hangen­den der flachen Hauptstörung sind kleinere nordwest-fallende Störungen zu beobachten, die nach oben hin versteilen. Sie haben Überschiebungs- bzw. Aufschiebungscharakter. Ihre Be­wegungsrichtung ist der der „Hauptstörung“ entgegengesetzt. Im nordnordöstlichen, in der Aufsicht linken Abschnitt des Stoßes wird die flache Hauptstö­rung von einer Nordwest – Südost streichenden und etwa mit 63 – 75 ° einfallenden Störung abgeschnitten. Die Schleppung der Schichten in Annäherung an die Bewegungsfläche deutet da­rauf hin, dass die nordöstliche Scholle relativ aufwärts bewegt worden ist. Mit Kalkspat ge­füllte Klüfte in der Nachbarschaft der Störung, die im Maximum Nordwest – Südost streichen und um 30 – 40 ° nach Nordnordosten einfallen, können als Fiederklüfte gedeutet werden. Der Aufschluss und sein tektonisches Inventar wurden ausführlich von Patzelt (1992) be­schrie­ben und auch ein Deutungsversuch der tektonischen Strukturen gegeben. Danach könnte die jetzt flache „Hauptstörung“ und die benachbarten – entgegengesetzt bewegten „Aufschie­bun­gen – zu einer Zeit entstanden sein, als die Schichten noch flach lagerten. Sie hätten ge­mein­sam einen Y-Graben gebildet und wären durch die Einkippung der Schichten in ihre heu­tige Lage rotiert. Quellenangabe: (Text: H.-Gerd Röhling; nach Patzelt 1992, 1994, 1995 sowie Patzelt et al. 2002). Foto: (H.-Gerd Röhling). Grafik: (aus Patzelt 1992). Weiterführende Literatur: Patzelt, G. (1992): Ein tektonisch interessanter Aufschluß bei Hildebrandshausen. – Mühl­häu­ser Beitr., 15: 9 – 18; Mühlhausen. Patzelt, G. (1994): Streifzüge durch die Erdgeschichte Nordwestthüringens. Geologischer Ab­riß und Exkursionsführer. Gotha (Justus Perthes). Patzelt, G. (1995): Ein tektonisch interessanter Aufschluß bei Hildebrandshausen (Kreis Mühl­hausen. – Mühlhäuser Beiträge, H. 15: 9 – 18; Mühlhausen. Patzelt, G., Kästner, H., Röhling, H.-G., Braniek, G. & Walther, W. (2002): 3. Exkursion. In: Thüringischer Geologischer Verein, Exkursionsführer: Die Geologie von Nordwest-Thüringen, 12. Jahreshauptversammlung Mühlhausen/Thüringen, 28 – 46; Jena.

Details

Bundesland
Thüringen
Landkreis
Unstrut-Hainich-Kreis
Ort
Hildebrandshausen (Eichsfeld)