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Geotop des Monats März 2022

Sandsteinbruch am Flügel Jägerhorn


Der ehemalige Sandsteinbruch am Flügel Jägerhorn in Grillenburg ist seit 1978 als Flächennaturdenkmal ausgewiesen und liegt unweit des westlichen Ortsausganges von Grillenburg im Tharandter Wald. Es handelt sich um ein wertvolles Geotop im Geopark Sachsens Mitte. Im geologischen Profil sind die zwei Formationen der unteren Oberkreide (Cenoman) der marinen Oberhäslicher und Pennricher Formation auf ca. 200 Meter Länge, 8 bis 10 Meter Höhe und 50 Meter Breite in verschiedenen Mächtigkeiten aufgeschlossen. Historisch ist der Steinbruch von herausragender Bedeutung, da er Zeugnis einer über Jahrhunderte andauernden Abbautätigkeit nach Werksandsteinen im Tharandter Wald ist. Die Herkunft zahlreicher bedeutender Bauten und Skulpturen der Region wird aufgrund von petrographisch-gesteinstechnischer Untersuchungen in diesen Steinbruch verortet. Aus dem Sandsteinbruch am Flügel Jägerhorn wurde das Gestein ab etwa 1170 zum Bau des markgräflichen Schlosses und der berühmten Goldenen Pforte des Doms St. Marien in Freiberg gebrochen. Ab 1216 diente der Sandstein auch beim Bau des Jagdsitzes in Grillenburg selbst. Weitere Einsatzorte des „Grillenburger Sandsteins“ waren das sich an der Westseite der Stadtkirche in Nossen befindliche Portal sowie sehr wahrscheinlich auch Figuren und Schmuckelemente im Innenraum des Meißner Doms und des Freiberger Doms. Auch für die sächsische Kreide-Paläontologie ist das Geotop von Bedeutung. In Henckel’s „Flora Saturnizans, die Verwandschaft des Pflanzen mit dem Mineral-Reich“ von 1722 wurden die ältesten bisher bekannten Abbildungen von Fossilien aus der sächsischen Kreide veröffentlicht – gefunden im „Sand-Stein-Bruche im Grüllenburger Walde“. Der Grillenburger Sandstein wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts zum Bau von Skulpturen, Fensterstürzen und Säulen verwendet. Ab Anfang des 19. Jahrhunderts wurden daraus vermehrt Schleifsteine für Holzschleifereien gefertigt. Um 1940 wurde der aktive Steinbruchbetrieb in Grillenburg als letzter verbliebener cenomaner Werksandsteinbruch des Osterzgebirges endgültig eingestellt. So ist dieser doch recht kleine Steinbruch am Flügel Jägerhorn das Zeugnis einer lange währenden Abbautätigkeit nach Werksandsteinen im Tharandter Wald (Niebuhr, Haubrich, Fengler, 2021). Seither dient das Geotop als Lehrobjekt der umliegenden Universitäten und Fachschulen zur Vermittlung sedimentologischer Prozesse in der geowissenschaftlichen Lehre. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Steinbruch durch natürliche Sukzession zu einem Biotop mit entsprechend schützenswerter Flora und Fauna. So wachsen im Bereich des Steinbruchs unter anderem Schwarzen Holunder, Ebereschen, Drahtschmiele, Sauerklee und Roter Fingerhut. Foto: GEOPARK Sachsens Mitte e.V. Weiterführende Literatur: Beeger, D. & Quellmalz, W. (1994): Dresden und Umgebung. - Sammlung geologischer Führer, Bd. 87, 205 S., Gebrüder Bornträger; Berlin, Stuttgart. Kleditzsch, O. (1987): Exkursionsführer Tharandter Wald und Umgebung. – Studienarbeit Sektion Geowissenschaften, TU Bergakademie Freiberg, 150 S.; Freiberg. Niebuhr B., Haubrich F., Fengler M. (2021) Der Grillenburger Sandsteinbruch am Flügel Jägerhorn (Cenomanium, Tharandter Wald, Sachsen) – historisch berühmt und geologisch verkannt. Geologica Saxonica 67 1–28. Niebuhr, B., Wilmsen, M. & Voigt, T. (2020): Die Oberkreide (Cenomanium–Mittelconiacium) im Zittauer Sandsteingebirge (Deutschland, Tschechien). – ZDGG, 171: 163–197. Prescher, H. (1957): Die Niederschönaer Schichten der sächsischen Kreide. – Freiberger Forsch.-H. C 34: 96 S.; Berlin. Prescher, H. (Hrsg., 1987): Zeugnisse der Erdgeschichte Sachsens. – S. 247, Dt. Verl. f. Grundstoffindustrie; Leipzig. Sebastian, U. (2001): Mittelsachsen: geologische Exkursionen. – Gotha; Stuttgart: Klett-Perthes, 2001. Wilmsen, M. & Niebuhr, B. (2014): Die Kreide in Sachen. Geologica Saxonica, Journal of Central European Geology, 60 (1), 3-12.

Details

Bundesland
Sachsen
Landkreis
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Ort
Tharandt OT Grillenburg